Ein gesellschaftliches Event – Wie die Weinprobe zuhause gelingt!

Wein ist Genuss! Wein ist Wissenschaft! Aber Wein ist zusätzlich auch noch ein gesellschaftliches Erlebnis, oder bildet die Basis für ein solches. Nicht nur als Krönung des Festessens zeigt ein guter Wein seine Qualitäten als „Entertainer“, als Gesprächsstoff und als gemeinschaftlichen Genuss – mal abgesehen von der alkoholisierend, auflockernden Wirkung. Das gesellschaftliche Event selbst kann auch der Wein sein. So manche Weinprobe dient wohl mehr der Geselligkeit, als der Weinanalyse oder -bewertung. Der Abend ist mit einigen Weinliebhabern und Freunden und ein paar Flaschen Rebensaft schon so gut wie gesichert. Doch, wenn man zu diesem, mal etwas andere Programm für den netten Freitagabend, zu sich einladen möchte, dann sollte man doch den ein oder anderen Punkt beachten. Hier kommen ein paar Tipps, wie Ihre Weinprobe Zuhause der Hit wird:

Weinprobe Rotwein Mann und Frau

Man sollte die richtige Ausrüstung parat haben und die passenden Bedingungen schaffen. Ein paar Accessoires sind einfach von elementarer Wichtigkeit und die Umgebung kann alle Sinne beeinflussen, wobei diese sich eigentlich voll und ganz auf den guten Tropfen konzentrieren sollen.
Zuallererst sollten ausreichend Weingläser vorhanden sein.  Wählen Sie dickbauchige, sich nach oben verjüngende Stielgläser für Ihre Weinprobe, darin können sich die Weinaromen am besten entfalten. Und selbstverständlich sollte sein, dass jeder Gast für jeden Wein ein frisches Glas bekommt.
Ein Korkenzieher ist auch unerlässlich. Schon peinlich, wenn einem vor der gesamten Gesellschaft auffällt, dass man diese kleine aber feine Detail vergessen hat. Am einfachsten sind dabei die klassischen Kellnermesser.
Um die Trinktemperatur der einzelnen Weine zu gewährleisten (Weißweine: 10-12°; Rotweine 13-18°), sollten Sie erstens rechtzeitig daran denken, kühl oder warm zu stellen. Zweitens ist es aber auch sehr hilfreich Weißweinkühler zur Verfügung zu haben, um die Weine möglichst bei Bedarf schnell abkühlen zu können und lang  auf angemessener Temperatur zu halten.
Ein Spuckbehältnis ist nicht unbedingt notwendig, aber sehr zu empfehlen, denn besser spucken als schlucken. Dann wird man erstens nicht betrunken, zweitens behält man länger das voll Geschmacksempfinden und drittens schmeckt die Kehle so oder so nichts. Wer sich kein professionelles Spuckgefäß leisten möchte, kann auch einfach einen großen Trichter auf eine leere Weinflasche machen.
Wasser und Brot. Um die Geschmackssinne möglichst lange, möglichst neutral zu halten sind Wasser und neutrales Gebäck unerlässlich. Zu empfehlen sind Weißbrotsorten wie Baguette oder Grissinis.
Eine weiße Tischdecke hilft dabei, die Farbe des Weines auf neutralem Hintergrund zu sehen. Dabei sollte beachtet werden, dass man Stoff verwendet, der hohen Temperaturen beim Waschen ausgesetzt werden kann, denn selten bleibt die Weinprobe ohne Rotweinflecken. Zur Not reicht auch weißes Papier.
Nicht zu vergessen: Der Notizblock. Oft sind die Eindrücke so vielfältig und umfangreich, dass es einer Niederschrift bedarf. Block und Stift dürfen bei keiner Weinprobe fehlen.

Nun zum Raum. Die Weinprobe sollte am besten in einem taghellen, gut durchlüfteten Raum stattfinden. Es muss nicht auf Romantik und Gefühl ankommen, sondern auf die Möglichkeit der analytischen Genauigkeit aller Sinne. Daher sind Kerzenflackern und überschwängliche Düfte nicht zu empfehlen.

Sogar die Zeit der Weinprobe zuhause spielt eine Rolle. „Man sollte nicht verkosten, wenn man hungrig ist, weil dann der Geschmackssinn abgestumpft, auch nicht nach reichlichem Trinken oder einem großen Mahl. Auch sollte man nicht verkosten, wenn man Speisen mit scharfem oder sehr salzigem Geschmack oder etwas anderes genossen hat, was den Geschmackssinn stark beeinflusst, sondern man sollte möglichst leicht gegessen haben und frei von Verdauungsbeschwerden sein.“ Schon Florentinus wusste das vor über 800 Jahren, und davon ist auch heute noch alles goldrichtig.

Nun zu den Weinen:
Welche Weine Sie mit Ihren Gästen degustieren möchten ist Ihnen überlassen. Allerdings würde ich empfehlen, entweder Wein zu nehmen, die sich in gewissen Punkten ähnlich sind, aber an bestimmten Stellen auch deutliche Unterschiede aufweisen, beispielsweise: Gleiche Rebsorte, gleicher Jahrgang, ähnliche Preisklasse, andere Region. Oder Sie nehmen komplett unterschiedliche Wein, um die Unterschiede wirklich in all Ihrer Komplexität erschmecken zu können. Dabei sind Ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt. Allerdings sollten Sie sich die Reihenfolge genau überlegen. Leicht vor schwer. Jung vor alt. Weiß vor rot. Billig vor teuer. Um allen Weinen eine faire Chance zu geben. Für den Anfang würde ich zwischen 3 und 6 Weinen pro Weinprobe wählen, das trifft ganz gut die goldene Mitte zwischen zu viel und zu wenig. Dabei müssen Sie bei größeren Verkostungen mit 18-20 Personen pro Flasche rechnen.