18. Oktober 2026
Ein Glas Weißwein auf einem Holzfass, daneben eine Schale mit Bentonit-Pulver und frischen Weinblättern.
Bentonit ist ein mineralisches Schönungsmittel, das viele Winzer für veganen Wein einsetzen.

Was ist ein veganer Wein?

Veganer Wein ist Wein, bei dessen Herstellung keine tierischen Stoffe eingesetzt werden. Im Keller geht es vor allem um die Schönung, einen Klärungsschritt, bei dem traditionell Gelatine, Hausenblase, Kasein oder Eiklar zum Einsatz kommen. Veganer Wein ersetzt diese Hilfsmittel durch pflanzliche oder mineralische Alternativen.

Warum Wein nicht automatisch vegan ist

Die Trauben sind pflanzlich, und auch die Gärung ist ein rein mikrobiologischer Vorgang. Warum ein Wein trotzdem nicht vegan sein kann, liegt an der Kellertechnik. Nach der Gärung enthält junger Wein Schwebstoffe, Gerbstoffe und Eiweißverbindungen, die ihn trüb machen oder bitter schmecken lassen. Viele Betriebe setzen zur Klärung und Stabilisierung Schönungsmittel ein. Einige davon sind tierischen Ursprungs. Entscheidend ist nicht, ob diese Stoffe im fertigen Wein zurückbleiben, sondern ob sie bei der Herstellung verwendet wurden.

Tierische Schönungsmittel und ihre Aufgabe

  • Gelatine aus Schwein oder Rind bindet Gerbstoffe und Schwebstoffe und wird vor allem bei Rot- und Weißweinen eingesetzt.
  • Hausenblase, gewonnen aus der Schwimmblase von Fischen, entfernt Bittertöne und klärt den Wein besonders schonend.
  • Kasein aus Milch mildert Gerbstoffe und wird häufig bei Weißweinen und Rosé verwendet.
  • Eiklar aus Hühnereiweiß bindet Gerbstoffe und wird traditionell bei kräftigen Rotweinen genutzt.

Alle diese Mittel sind Verarbeitungshilfen und werden nach der Klärung weitgehend entfernt. Für eine vegane Lebensweise zählt jedoch der Einsatz an sich.

Vegane Alternativen zur Schönung

Traditionelles tierisches Mittel Vegane Alternative Typische Wirkung
Gelatine Bentonit, Erbsenprotein Klärt und bindet Gerbstoffe
Hausenblase Aktivkohle, Erbsenprotein Reduziert Bittertöne
Kasein Kartoffelprotein, Bentonit Mildert Gerbstoffe und klärt
Eiklar Pflanzliche Proteine, Aktivkohle Bindet Gerbstoffe

Bentonit ist ein Tonmineral und das am häufigsten verwendete vegane Schönungsmittel. Aktivkohle wird eingesetzt, wenn Weine starke Bittertöne aufweisen. Pflanzliche Proteine aus Erbse, Kartoffel oder Weizen übernehmen ähnliche Funktionen wie Gelatine oder Eiklar.

Kennzeichnung und Siegel

Für veganen Wein gibt es in der EU keine einheitliche gesetzliche Definition. Es gibt jedoch private Siegel und Kennzeichnungen, an denen du dich orientieren kannst. Das V-Label der European Vegetarian Union wird auch für Wein vergeben und unterscheidet zwischen vegetarisch und vegan. Die Veganblume der Vegan Society ist ein weiteres international verbreitetes Zeichen. Manche Winzer schreiben ‚vegan‘ ohne Siegel auf das Etikett oder weisen im Datenblatt aus, dass keine tierischen Schönungsmittel verwendet wurden. Sicherheit bietet die Rückfrage beim Weingut oder der Blick auf das Zertifikat.

Veganer Wein und Bio-Wein: zwei Paar Schuhe

Veganer Wein wird oft mit Bio-Wein verwechselt, doch die beiden Begriffe betreffen unterschiedliche Ebenen. Bio-Wein bezieht sich auf den ökologischen Anbau der Trauben und die nach EU-Öko-Verordnung zugelassenen Kellerverfahren. Die Zulassung tierischer Schönungsmittel ist im Bio-Bereich eingeschränkt, aber nicht vollständig ausgeschlossen. Deshalb ist nicht jeder Bio-Wein vegan. Umgekehrt kann ein veganer Wein aus konventionell angebauten Trauben stammen. Wer beide Anforderungen verbinden möchte, achtet auf ein Bio-Siegel und ein vegan-Siegel gleichzeitig. Laut Wikipedia ist Bio-Wein seit der Ernte 2012 mit dem EU-Bio-Logo und der Codenummer der Zertifizierungsstelle gekennzeichnet.

Veganer Wein am Tisch: Genuss und Küche

Ob ein Wein vegan ist, sagt nichts über seinen Geschmack. Rebsorte, Herkunft, Jahrgang und Ausbau prägen den Stil. Ein frischer, säurebetonter Weißwein passt zu Spargel, Kräuterrisotto, gebratenem Gemüse oder Salaten mit Zitrusdressing. Ein mittelkräftiger Rosé harmoniert mit Tomaten-Pasta, gegrillten Paprika oder einer Gemüse-Quiche. Leichte Rotweine mit wenig Gerbstoff begleiten Pilzgerichte, Linsencurry oder gebratene Auberginen. Kräftige Rotweine passen zu geschmortem Wurzelgemüse, Pilzragout oder dunklen Saucen auf Gemüsebasis. Da veganer Wein in jeder Preis- und Stilklasse vorkommt, kannst du dich bei der Auswahl an der Speise orientieren und nicht an der Frage, ob der Wein vegan ist.

Häufige Fragen

Ist jeder vegane Wein auch bio?

Nein. Vegan bezieht sich auf den Verzicht auf tierische Hilfsmittel, Bio auf den ökologischen Anbau und die zugelassenen Kellerverfahren. Beides kann, muss aber nicht zusammenfallen.

Enthält veganer Wein weniger Sulfite?

Nein. Sulfite sind Salze der schwefligen Säure und werden als Konservierungsmittel eingesetzt. Sie sind nicht tierischen Ursprungs und unabhängig von der veganen Ausrichtung.

Wie erkenne ich veganen Wein im Handel?

Achte auf ein veganes Siegel wie das V-Label oder die Veganblume. Fehlt ein Siegel, hilft die Rückfrage beim Winzer oder ein Blick in das technische Datenblatt.

Veganer Wein ist keine Geschmacksrichtung, sondern eine Entscheidung im Keller: Er kommt ohne tierische Schönungsmittel aus. Wer auf Nummer sicher gehen will, achtet auf ein veganes Siegel oder fragt direkt beim Erzeuger nach.

Luca Bernardini

Luca Bernardini Luca Bernardini Luca Bernardini ist gelernter Kellermeister aus der Toskana und zertifizierter Weinreisebegleiter. Er lebt seit 15 Jahren in Berlin, wo er regelmäßig Wein-Seminare zu italienischen Naturweinen gibt. Seine Leidenschaft gilt dem Zusammenspiel von Terroir und einfacher, ehrlicher Küche.

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