Prosecco, der beliebte Schaumwein aus Italien

Prosecco, ein Stück italienisches Lebensgefühl

Geschichte und Anbaugebiet

ProseccoProsecco war bereits bei den Römern unter dem Namen Vinum Pucinum bekannt und beliebt. Der heutige Name leitet sich aber vom Dorf Proseck in der Nähe von Triest ab. Es handelte sich bis 2009 um keine Herkunftsbezeichnung, sondern den Namen der weißen Rebsorte Glera, die in der Umgebung von Treviso wächst. Der Wein konnte im Prinzip in jeder Region hergestellt werden, da die geografische Herkunft keine Rolle spielte. Er wurde meist mit Tankwagen nach Deutschland transportiert und dann abgefüllt. Das Produkt schmeckte zwar prickelnd, aber die Qualität war entsprechend bescheiden.

Seit 2010 ist Prosecco eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Sie bezeichnet einerseits Weine aus der Region Friaul-Julisch Venetien und andererseits aus den Gebieten Padua, Belluno, Treviso, Vicenza und Venedig innerhalb der Region Venetien. In den genannten Regionen muss auch die Verarbeitung und Abfüllung durchgeführt worden sein. Der Wein muss mindestens zu 85 % aus der Rebsorte Glera stammen. Der übrige Anteil ist ebenfalls fest definiert und umfasst Sorten wie Bianchetta, Chardonnay oder Pinot-Trauben. Die Abfüllung darf nur noch in weiße, gelbe, braune, grüne oder grauschwarze Glasflaschen erfolgen und für den Verschluss sind Korken, Kunststoffkorken oder Drehverschlüsse vorgeschrieben. Die Flasche erkennt man neben der goldenen staatlichen Banderole am Prosecco-DOC-Logo mit neun Schaumweingläsern, die einen Kreis bilden und die neun Herkunftsprovinzen darstellen.

Herstellung

Während der Wein auf den Hängen wächst, wird laufend der Reifegrad der Trauben gemessen. Ein Konsortium von Produzenten entscheidet über den Beginn der Lese in den jeweiligen Regionen. Nur handverlesene Trauben dürfen für die Weinherstellung verwendet werden. Aus diesen wird mit geringem Druck nur der Vorlaufmost ausgepresst. Auf diese Weise können aus 100 Kilo Trauben maximal 70 Liter Wein entstehen. Dieser ruht einen halben Tag in gekühlten Stahltanks, bis der Most abgelassen werden kann und die Gärung beginnt. Dieser Prozess findet für die Dauer von zwei bis drei Wochen bei 15-20 Grad statt. Nachdem der Wein ein klares Aussehen angenommen hat, kann der zweite Gärungsprozess beginnen, bei dem sich Kohlensäure bildet. Nach Entfernung der Hefe folgen Prüfung und Verkosten. Der letzte Schritt ist der Verschnitt von Weinen aus verschiedenen Lagen, um den Geschmack zu verfeinern. Unverschnittenen Lagenwein gibt es auch, er wird aber nur selten angeboten.

Ein sehr gutes Prosecco Weingut ist z.B. Le Contesse aus dem Veneto. Die Top Reihe von Le Contesse heißt Porta Leone und gehört zu den Besten Proseccos der Lombardei.

Herkunftsbezeichnungen

Die Angabe DOC (Denominazione di Origine Controllata) auf der Flasche weist darauf hin, dass der Wein aus 5 Provinzen in Venetien oder aus dem Raum Friaul-Venetien stammt. Die Bezeichnung DOCG (Denominazione die Origine Controllata e Garantita) für Weine aus den Berglagen der Provinz Treviso steht für eine kontrollierte und garantierte Herkunftsbezeichnung. Es handelt sich um die höchste Qualitätsstufe im italienischen Weinbau. Bei Colli Asolani DOCG aus dem Raum Asolo und bei Conegliano Valdobbiadene DOCG aus dem Raum Conegliano oder Valdobbiadene sind für Frizzante mindestens 5 Gramm Säure pro Liter und ein Alkoholgehalt von 10,5 % vorgeschrieben. Für Spumante gilt ein Mindestgehalt von 5 Gramm Säure pro Liter und ein Alkoholgehalt von 11 %. Eine noch höhere Qualitätsstufe gilt innerhalb von Conegliano Valdobbiadene DOCG für die Sorte Cartizze aus den Gemeinden Fol und Sacco. Er wird auf nur 120 Hektar angebaut und die Trauben werden ausschließlich von Hand gelesen. Der Alkoholgehalt beträgt mindestens 11,5%.

Spumante, Frizzante und Tranquilante

Die Variante Spumante zeichnet sich äußerlich durch den Kunststoffkorken mit Drahtbügel aus. Durch die Tankgärung hat der Spumante im Unterschied zu Sekt und Champganer einen höheren Anteil an Kohlensäure. In den hermetisch abgeschlossenen Tanks kann die Kohlensäure während der Herstellung nicht entweichen, sondern bleibt im Wein gebunden. Die Perlage ist dadurch nicht so fein wie bei einer vorangegangenen Flaschengärung. Spumante ist in den Sorten halbtrocken oder trocken erhältlich, wobei die zweite Variante deutlich überwiegt. Der Alkoholgehalt beträgt mindestens 11 % und der Flaschendruck mindestens 3,5 bar.

Die Variante Frizzante erkennt man äußerlich an einem Schraubverschluss oder einem einfachen Korken mit Bindfadensicherung. Aufgrund des geringeren Kohlensäuregehalts reichen diese Verschlüsse aus. Der Druck auf der Flasche beträgt maximal 2,5 bar, da im zweiten Gärungsprozess weniger Zucker und Hefe beigegeben wurde. Der Frizzante ist in den Varianten halbtrocken bis sehr trocken erhältlich und hat einen Alkoholgehalt von mindestens 10,5%. Er wird vor allem für deutsche Kunden produziert, um die Schaumweinsteuer für Prosecco Spumante in Höhe von 1,02 Euro plus Mehrwertsteuer pro Flasche zu vermeiden.

Bei der Variante Tranquilante handelt es sich um stillen Wein ohne Kohlensäurezusatz. Er ist relativ dünn und sauer und in den Varianten halbtrocken bis sehr trocken erhältlich. In der Regel wird er nur in Italien konsumiert.

Kategorien

Ab 2019 wird Prosecco offiziell in folgende Kategorien unterteilt:

• Brut Nature mit unter 3 Gramm Zucker pro Liter
• Extra Brut mit unter 6 Gramm Zucker pro Liter
• Brut mit unter 12 Gramm Zucker pro Liter
• Extra Dry mit einem Zuckergehalt von 12 – 17 Gramm pro Liter
• Dry mit einem Zuckergehalt von 17 – 32 Gramm pro Liter
• Demi-Sec mit einem Zuckergehalt von 32 – 50 Gramm pro Liter

Während bei den halbtrockenen Sorten die zweite Gärung unterbrochen wird, um einen höheren Restzuckergehalt zu erhalten, wird bei der Kategorie Brut dieser Vorgang fast bis zum Ende durchgeführt. Grundsätzlich lässt der Kohlensäuregehalt den Wein weniger süß erscheinen. In Planung ist die Herstellung einer Rosé-Variante in den Sorten Spumante Brut und Spumante Extra Dry.

Servier-Empfehlungen

Prosecco sollte im Sektglas serviert und unbedingt sehr kalt getrunken werden. Die ideale Trinktemperatur liegt bei 5-7 Grad. Je wärmer er wird, desto mehr leidet der frische Geschmack. Typisch für die Glera-Traube sind die goldgelbe Farbe und die deutliche Säure. Er schmeckt frisch, prickelnd und fruchtig und verkörpert einen unkomplizierten Genuss. Das Aroma erinnert an frische Früchte wie Apfel, Pfirsich, Melone oder Zitrusfrüchte. Er ist ein optimaler Aperitif und eignet sich als Begleiter zu salzigen und fruchtigen Gerichten wie beispielsweise Schinken mit Melone. Besonders empfehlenswert ist die Kombination mit Nudelgerichten, Geflügel, Meeresfrüchten und Gemüsesuppen. Die Variante Demi-Sec passt aufgrund des höheren Zuckergehaltes eher zum Dessert. Er ist im Gegensatz zu Sekt und Champganer nicht für die lange Lagerung vorgesehen, sondern sollte innerhalb von zwei Jahren nach der Herstellung getrunken werden.

Das italienische Weinbaugebiet Apulien und seine Rebsorten

Apulien – Die Geschichte eines fabelhaften Aufstiegs

Apulien WeineBis noch vor wenigen Jahren war Apulien, wenn überhaupt, für seine Tomaten, Tafeltrauben und billigste aber immer dunkelrot schimmernde Fassweine bekannt. Diese Rotweine wurden gerne in den Norden verfrachtet, um den eher dezent-roten Rebsorten des Piemont und Südtirols ein Mehr an Rot und scheinbarer Tiefe mitzugeben. Viele Winzer standen vor dem Aus. Zu unrentabel, zu aufwändig und nicht zuletzt auch körperlich zu anstrengend erschien der Weinbau. Und Rebsorten wie Primitivo, Negroamaro oder Malvasia Nera waren der internationalen Weinwelt absolut fremd. Selbst in Italien schien sich kaum jemand für Weine aus diesen Rebsorten zu begeistern.

Heute erscheint das nahezu undenkbar. Mit der Jahrtausendwende kam der große Umschwung, der seinen Höhepunkt im Jahre 2019 noch immer nicht erreicht hat. Ein einzelnes Ereignis hierfür lässt sich nicht ausmachen. Es dürfte aber der berühmte Kairos, der perfekte zufällige Zeitpunkt, seine Hände im Spiel gehabt haben. Plötzlich war die Weinwelt offen für neue Rebsorten, neue Anbaugebiete, neue Entdeckungen. Zu satt waren viele vom immergleichen Chardonnay, Shiraz und Merlot. Kritiker, Weinjournalisten und nicht zuletzt Weinfreunde begaben sich auf die Suche nach dem großen Schatz autochthoner Rebsorten, über die Italien verfügt.

Wurzelechter geht Rotwein kaum

Fündig wurden sie natürlich auch in Apulien. Was sich Weinafficionados hier bot, war dann durchaus eine Schatzkammer: zahlreiche Weingärten, mit schier uralten Rebstöcken, denen die Reblaus nie etwas anhaben konnte, und eine Vielzahl an spannenden regionalen Rebsorten, die aromatisch die Weinwelt wirklich bereichern. Heute verfügt die Region über eine Weinanbaufläche von gut 108.000 Hektar, was ein wenig mehr ist, als alle 13 Anbaugebiete Deutschlands zusammen. Inzwischen gibt es hier 25 DOC-Regionen, die bekanntesten sind wohl Manduaria und Salento, sowie sechs Landwein-Regionen. Es ist in der Hauptsache Rotwein, der hier gekeltert wird.

80 Prozent der Weinproduktion gehen auf den Rotwein. Gemeinsam mit Sizilien und dem Veneto steht Apulien damit an der Spitze der italienischen Weinproduktion. Dies gilt rein objektiv für die Menge – und nicht wenige Weinfreunde lassen diesen Satz auch qualitativ und in genießerischer Hinsicht gelten. Kaum dass die Kunde von diesem Weinschatz die Runde machte, waren es vor allem junge Winzer, die hier ihre Chance sahen, auf dem Weinmarkt mit ihren Ideen vom idealen und perfekten Wein zu reüssieren. Viele brach liegende Weingärten mussten dazu wieder in Form gebracht und rekultiviert werden, Kelleranlagen modernisiert und ein dichtes, modernes Marketingnetz aufgebaut werden.

Mit Dynamik, Elan und Experimentierfreude an die Spitze

Doch die ganze Mühe und Investitionen sollten sich auszahlen. Es war die Zeit spannender Neugründungen, Neupflanzungen und frischer moderner Weine, die vor allem eines sind: fruchtig. Diese Aufbruchstimmung, dieser Elan war und ist den Weinen deutlich anzumerken: Die Rotweine Apuliens sind keine akademischen Weine, die man erst 20 Jahre in den Keller legen muss. Nein, sie sind Gaumenschmeichler par excellance, fruchtig, zugänglich und sowohl perfekte Solisten als auch geniale Essensbegleiter.

Dafür sorgen bis heute qualitätsversessene Kellereien, zu denen sich zahlreiche Winzer zusammengeschlossen haben, um die synergetischen Effekte dieses Zusammenschlusses für gemeinsame Investitionen und Vertriebsmaßnahmen zu nutzen. Eine große Rolle hat bei diesem Aufstieg auch der Gambero Rosso, der renommierteste Weinführer Italiens gespielt. Die Kritiker haben sehr schnell die Qualitäten und Potenziale dieser aufstrebenden Region erkannt und die Weine sehr gut bewertet. Damit wurde auch der Weg für kleinere ambitionierte Weingüter frei, die die Weinwelt bereichern. Heute sind Weine wie der Zolla Primitivo di Manduria weltbekannt.

Mehr als nur Primitivo

Die derzeit noch meistangebaute Rebsorte Apuliens ist der Negroamaro, eine Rebsorte, die intensive und fruchtige Rotweine hervorbringt, die über eine feine Bittermandelnote verfügen. Der absolute Publikumsliebling ist jedoch der Primitivo. Primitiv ist an dieser Rotwein-Rebsorte erstmal gar nichts. Sie heißt so, weil sie als erste Rebsorte reif wird. Damit hat er das Potenzial bis in den Herbst hinein unter der wärmenden Sonne Süditaliens Nährstoffe, Fruchtzucker und Extrakt anzusammeln, die sich in kräftigen, fruchtintensiven und nachdrücklichen Weinen niederschlagen. Das Zentrum des Primitivo sind das Salento aber auch in der Region um Manduria. Gemeinsam mit Negroamaro bildet der Primitivo die klassische Rotwein-Cuvee vor allem des Süden Apuliens, dem Salento. Neben diesen beiden Superstars spielen Nero di Troia, Malvasia Nera und Susumaniello noch eine tragende Rolle. Die meisten dieser Rebsorten waren vom Aussterben bedroht – inzwischen sind sie fester Bestandteil des Weinbaus im Süden Italiens.

325 Sonnentage im Jahr, das Ionische Meer und die Adria in unmittelbarer Nähe bilden den perfekten klimatischen Rahmen für den Weinbau, zumindest für all jene, die fruchtbetonte und intensive Weine bevorzugt. Wir sind hier stilistisch weit von cool-climate-Weinen entfernt. Winzer, die ihre Weine etwas dezenter haben wollen, finden in den Höhenlagen dieser Region spannende Weinberge. Die Ergebnisse können sich jetzt schon sehen lassen, werden in den kommenden Jahre aber bestimmt noch zu einigen lohnenden Entdeckungen führen.

Appasimento oder: Über das ‚Dahinwelken schöner Dinge‘

Eine bereits lohnende, weil extrem beliebte Entdeckung ist ein Rückgriff auf die Jahrtausende alte Tradition italienischen Weinbaus: das Appasimento Verfahren. Aus dem Ur-italienischen bezeichnet der Begriff das ‚Dahinwelken schöner Dinge und Menschen‘. Und was genau bedeutet das übertragen auf Rotwein? Bei dem Verfahren geht es darum, die Trauben so lange zu trocknen bis sie kaum mehr größer als Rosinen sind. Dies geschieht in riesigen Trocknungsanlagen – oder, je nach Wagemut des Winzers, bereits am Rebstock, wo aber die Gefahr des Pilzbefalls allgegenwärtig ist.

Das Ergebnis dieses Trocknungsvorgangs sind hochkonzentrierte und aromenintensive Trauben, aus denen besonders vollmundige Weine gewonnen werden, die Erinnerungen an einen kräftigen Rumtopf, frisch gekochte Marmelade aus Waldbeeren hochkommen lassen. Ein Klassiker dieser Methode ist der Amarone aus dem Veneto, der zu den mytischen Weinen der Weinwelt zählt. Aber geschmacklich können die Appasimento Weine aus Apulien durchaus mithalten.

Kulinarische Offenbarungen

Egal, ob es eher die intensiven und fruchtigen Rotweine sind, die zu Begeisterungsstürmen hinreißen oder eher subtilere, leisere Weine bevorzugt werden: Die Weine Apuliens sind geniale Essensbegleiter. Natürlich üben sie ihre Faszination auch solo aus, aber in Kombination mit der aromenreichen Küche Süditaliens, der Vielfalt an Kräutervariationen, ausdrucksreichen Gemüsekreationen und kräftigen Fleischvariationen, sind diese Weine unschlagbar. Sie halten dieser Küche nicht nur Stand, sondern umgarnen das Essen.

Wir dürfen durchaus gespannt sein, welche Weine, Rebsorten und originellen Cuvée uns in den nächsten Jahren noch erreichen. Wer die Dynamik, den Elan und die Experimentierfreude der Winzer aus Apulien jemals live erleben konnte, der ahnt, dass da noch jede Menge tolle Weine auf uns zukommen werden.

Kessler-Sekt, Deutschlands älteste Sektkellerei

Deutschlands älteste Sektkellerei

Kessler Sekt – Aus der Versenkung

Kessler Sekt aus EsslingenWenn man an moussierenden Wein denkt, denkt man an die Region Champagne in Frankreich. Das ist fast eine Selbstverständlichkeit. Doch wer braucht französischen Champagner, wenn man hochwertigen Sekt hat? Schauen wir mal zur Geburtsstätte des deutschen Sektes im Herzen der Esslinger Altstadt. Jeden Samstag betreten die Besucher dort den prächtigen Speyrer Pfleghof, füllen seine mittelalterlichen, von Eichenholzbalken gehaltenen Innenräume und geniessen originalen Kessler-Sekt.

Einst bevorzugter Tipp der württembergischen Königin Olga, des Kanzlers Konrad Adenauer und sogar der Hollywood-Legende Errol Flynn, geriet Kessler-Sekt schließlich für einige Jahrzehnte in Vergessenheit. Aber die Kellerei genießt dank der konsequenten Rückbesinnung auf ihre stolzen Traditionen eine Wiederbelebung. Heute ist Kessler wieder offizieller Lieferant der deutschen Regierung und produziert seinen Sekt immer noch in der gleichen Tradition wie das Champagner-Haus Veuve Cliquot und vermutlich mit der gleichen Leidenschaft.

Die Geschichte schäumender Weine

Perlweine, wie den deutschen Sekt, gibt es genau so lange wie normalen Wein. Die zweite Gärung, die die Karbonisierung erzeugt, kann auf natürliche Weise erfolgen, wenn die Temperaturen und die Lagerung es zulassen. Es gibt sogar antike römische und griechische Berichte über schäumende Weine, aber erst um 1700 begann die eigentliche Produktion. Jeder weiß, wie streng lokal die Franzosen über ihren geliebten Champagner denken. Umso weniger wird ihnen gefallen, wie dem Engländer William Shakespeare indirekt die Namensgebung des deutschen Sektes zugeschrieben wurde.

Shakespeares Charakter Falstaff in seinem Stück „Henry IV“ bestellt einen in England Ende 1500er Jahre einen beliebten portugiesischen Sherry-Wein mit den Worten: “Give me a cup of sack” Dieser Sack, bei dem das A als Ä gesprochen, inspirierte den deutschen Schauspieler Ludwig Devrient 1825, den Satz in einer Berliner Weinbar zu verwenden. Das behauptet zumindest der Kommunikationsdirektor von Kessler Sekt – aber der angerufene Kellner hatte nicht richtig hingehört und vermutete, dass Devrient sich sich wie gewohnt, einen Champagner wünschte. So wurde Sekt zunächst nur in Berlin zu einem Slangbegriff für Schaumwein. Offensichtlich war die Zeit reif für deutschen Sekt. Dieser Name wurde erst 1925 für ganz Deutschland verbindlich festgelegt.

Aufstieg und Niedergang

Ein Jahr später, 1826, gründete der Industrieunternehmer Georg Christian Kessler (1787-1842) in Esslingen am Neckar bei Stuttgart eine Niederlassung. Nach siebzehnjähriger Tätigkeit für den französischen Hersteller des Champagners Veuve Clicquot war Kessler bestrebt, Schaumwein nach Deutschland zu bringen. Sein Ziel war es nicht, französischen Schampus zu kopieren, sondern ein eigenständiges Getränk mit deutschen Trauben auf deutschem Boden anzubieten. Kurz nach seinem Debüt wurde der Kessler Sekt von deutschen Königen und Königinnen bewundert und erhielt internationale Auszeichnungen.

Sein Sekt genoss früh große Erfolge und wurde in ganz Europa und bis zur US-Ostküste verschifft. Als Kessler 1842 starb, wurde das Unternehmen an seinen persönlichen Freund Carl Weiss übergeben, und die Familie Weiss führte das Unternehmen bis 2004. Zu diesem Zeitpunkt litt die Firma, weil, wie Kaiser erklärte, „der Geist von Kessler verloren war“. Dies führte 2005 zu einer Insolvenz und einem Neustart. Während das Unternehmen den Besitzer wechselte, stoppte die Produktion nie, und das Unternehmen erlebt heute eine Renaissance.

Tradition und Moderne

Die Deutschen genießen im weltweiten Vergleich den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Sekt, so ist es nicht verwunderlich, dass kleinere Produzenten wie Kessler sehr stolz darauf sind, ihre Traditionen und Qualität zu erhalten. Der neue Eigentümer, Christopher Baur, hat dem Unternehmen geholfen, wieder Fuß zu fassen, indem er der Tradition einen Hauch von Modernität verliehen hat. Die Qualität ist die gleiche, aber der Stil ist anders, und in der Kellerei verwenden sie neue Techniken, um die Aromen deutlicher hervorzuheben.

Ein Teil der Maschinen bei Kessler wurde erneuert, aber die traditionelle Methoden setzen sich bei der Fermentation immer noch durch. Dies ist einer der wenigen Orte in Deutschland, an dem Sekt noch auf altmodische Weise mit Flaschengärung hergestellt wird. Die Besucher können Einblicke in die Arbeit gewinnen, wenn die Weine, wie in der Vergangenheit, in Kellern voller Schimmel von Hand gedreht werden.

Die Wiederauferstehung der Marke

Die meisten größeren Sektproduzenten haben auf die weniger arbeitsintensive Methode der zweiten Gärung umgestellt, indem sie den Wein in große Tanks geben. Tatsächlich machen kleinere, hochwertige Produzenten wie Kessler weniger als zehn Prozent des deutschen Marktes aus. Das hat natürlich seinen Preis: Während eine durchschnittliche Flasche Sekt ab etwa 3,50 Euro zu bekommen ist, beginnt das Sortiment von Kessler bei nahezu dem Doppelten. Als regionaler Favorit wird 60 Prozent des Kessler Sektes lokal verkauft. Aber auch außerhalb Schwabens wächst die Nachfrage nach dem traditionellen Schaumwein.

Ein Rundgang durch die Kessler-Zentrale von Speyrer Pfleghof umfasst den von Eichenholzbalken dominierten Innenraum aus dem 16. Jahrhundert im Obergeschoss sowie den Produktionsbereich mit Förderbändern, Gabelstaplern und unzählig vielen Stapeln von Gärwein. Doch erst wenn man die mit Kerzen beleuchteten Stufen in die Keller hinunter geht, wird die Geschichte des Ortes lebendig. Dort werden die Flaschen in der zweiten Gärstufe von Hand gedreht, so wie sie es schon 1826 gemacht haben. Nach der Besichtigung können die durstigen Besucher, die verschiedene Sorten Sekt probieren. Neben den Einstiegs Sekten gibt es die Kessler Sekt Hochgewächs Reihe. Dazu gesellen sich dann noch der Riesling Jägergrün. Wer es ganz hochwertig möchte, der ist bei den Jahrgangs Sekten der Vintage Reihe richtig. Aber ob Kessler Sekt, Kessler Hochgewächs Chardonnay Brut, Kessler Hochgewächs Rosé, Kessler Jägergrün oder Kessler Vintage. Alle Sekte sind erstklassig, vor allem im Bezig auf Preis-/Leistung. Auch Online kann man Kessler Sekt bestellen, am Besten fast vor Ort beim Weinversand genuss7.de in Schönaich.

Ein paar Worte zur Persönlichkeit des Gründers

Christian von Kessler zog Anfang des 19. Jahrhunderts nach Reims und erlernte dort schnell die Kunst der Champagnerherstellung, indem er Angestellter in einer eher unbekannten lokalen Manufaktur wurde – was sich als nichts anderes als Veuve Cliquot herausstellte. Werde groß oder gehe nach Hause, wie man so schön sagt. Nachdem er dort einige Jahre lang, anfänglich als Buchhalter, gearbeitet hatte, wurde er schließlich in die Geschäftsleitung berufen und machte Veuve Cliquot zu der angesehenen und international anerkannten Marke, die es heute ist.

Nachdem er als jahrelanger Teilhaber die Möglichkeit bekam Veuve Cliquot komplett zu übernehmen passierte etwas Besonderes. Kessler verzichtete auf die Übernahme des Unternehmens und entschied sich für eine alle überraschende Wendung. Er beschloss Reims zu verlassen und in seine Heimatstadt Esslingen am Neckar zurückzukehren, um dort seinen eigenen Sekt zu kreieren. Das ist bemerkenswertes und vorbildliches Unternehmertum, dass noch in der Gegenwart als Vorbild taugt.

Gute Aussichten

Am beliebtesten sind die traditionellen Kessler-Sorten auf Basis von Clevner und Elbling, aber mit Hilfe ihres jungen Winzers Markus Krieg hat das Unternehmen auch limitierte Auflagen mit Riesling und Pinot Blanc auf den Markt gebracht. Dennoch sind die Mitarbeiter von Kessler stolz darauf, dass Innovation die Tradition nicht verdrängt. Schließlich ist es nicht nur ein deutscher Sekt, es ist Kessler Sekt. In dieser Region werden also nicht nur berühmte Autos und technische Produkte hergestellt, sondern es werden auch Spitzenweine erzeugt, die in der Lage sind, das Leben besser, schöner und genussreicher zu machen.