Wein und Spargel – das perfekte kulinarische Duo

Spargel & Wein, das passt einfach perfekt.

Spargel und Wein; Weißwein wie Burgunder, RivanerDa die Spargelpflanze, aber auch die Weinrebe weltweit zu den ältesten Pflanzen gehört, ist davon auszugehen, dass schon sehr lange Weine zu Spargelgerichten getrunken werden. Im deutschsprachigen Raum wurden die ersten Reben von den alten Römern vor mehr als zwei Tausend Jahren eingeführt. Auch die ersten Spargelpflanzen sind vermutlich durch die Römer nach Deutschland gekommen. Den ersten Spargel in Deutschland baute man im Jahre 1565 im „Stuttgarter Lustgarten“ an. Dies ist urkundlich belegt. Also kann geschlussfolgert werden, dass Wein und Spargel schon sehr lange miteinander ergänzt werden. Auch heute noch wird traditionell zu Spargelgerichten ein Glas Wein gereicht. Bei dieser Kombination kommt es jedoch auf die Auswahl der richtigen Weinkategorie an.

Dass Wein und das Königsgemüse zusammengehört, steht außer Frage. Sind doch beide nicht nur fein und elegant, sondern auch besonders im Geschmack. Eben ein gelungenes Duett von Aromen. Obwohl der Spargelgourmet zu Bleichspargel meist Weißwein mit einer Trinktemperatur von zehn bis zwölf Grad Celsius serviert, kann zu Grünspargel auch ein nicht zu schwerer, nicht vorlauter Rotwein oder ein Rosé kombiniert werden.

Grundsätzliches

Das wichtigste Kriterium, auf das bei der Auswahl des Spargelweines geachtet werden sollte, ist die Harmonie der Getränke- und Spargelaromen. Der Spargelkopf weist geschmacklich süße Nussaromen auf, die Spargelstange hat eine leichte bittere Note. Außerdem verfügt das Gemüse über Asparaginsäure, die sich mit der Weinsäure nicht so gut verträgt. Also muss bei der Weinauswahl darauf geachtet werden, dass die zarten Spargelaromen nicht überdeckt werden. Das heißt, die zu Spargelgerichten gereichten Weine sind überwiegend leichte, halbtrockene bis trockene Weißweine, die über eine zarte und dezente Würze und wenig Alkohol verfügen. Sie sollten keine Jungweine, sondern schon zwei oder drei Jahre gereift sein und keine vordergründige Säure aufweisen. In Barrique gereifte Tropfen eignen sich nur zur Ergänzung von Spargelgerichten mit mächtigen Soßen, wie Soße Hollandaise.

Doch auch die Spargelsorte und die Zubereitungsart des Gemüses spielt bei der Weinauswahl eine große Rolle. Um den richtigen Tropfen mit dem jeweiligen Spargelgericht zu kombinieren, ist schon ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt. Eines sollte man aber nicht vergessen: Weißweine zu Spargelgerichten sind immer kühl zu halten.

Spargelsorten und Spargelwein

Bei den Spargelsorten wird zwischen weißem Bleichspargel, violettem Bleichspargel und Grünspargel unterschieden. Die Farbe ist für die Intensität des Geschmacks und der Aromen entscheidend. Geerntet wird das edle Gemüse von Ende März / Mitte April bis zum 24. Juni, dem sogenannten „Johanni“. Also ist der 24. Juni der letzte Tag des Jahres, an dem Spargel gestochen wird. Dies ist darin begründet, dass die Spargelpflanze circa 100 Tage benötigt, um als grüner Busch herauszuwachsen und sich so auf den Winter vorzubereiten. Nur so kann sie den Winter überstehen und im nächsten Jahr wieder als „Königsgemüse“ auf den Tellern Platz nehmen. Welcher „Spargelwein“ sollte nun zu welcher Spargelsorte gereicht werden?

Weißer Bleichspargel

Weißer Bleichspargel punktet mit einem feinen milden Geschmack, gepaart mit einer zartbitteren Note. Er ist die Spargelsorte, die am dezentesten schmeckt. Besonders gut lassen sich zu diesem Gemüse beispielsweise Silvaner (Franken, Rheinhessen), Müller Thurgau und Gutedel aus Baden (Markgräflerland) kombinieren.

Violetter Bleichspargel

Geschmacklich zeichnet sich der violette Bleichspargel durch eine feine Milde, aber mit ausgeprägteren Bitternoten aus. Er ist aber gegenüber seinem weißen Pendant etwas würziger und kräftiger. Daher kann zu diesem Gemüse ein frischer spritziger Rivaner aus Franken oder ein badischer Weißburgunder kredenzt werden.

Grünspargel

Gegenüber dem weißen und violetten Bleichspargel ist der Grünspargel kräftiger und herzhafter im Geschmack. Er erinnert geschmacklich an Wildspargel. Auch die Aromen sind intensiver. Aber was die Säure betrifft, da ist er genauso empfindlich, wie seine beiden Verwandten. Aufgrund seines herzhafteren Geschmackes ist ein Tropfen mit ein wenig mehr Eigengeschmack, beispielsweise ein nicht in Barrique gereifter Chardonnay, Grauburgunder oder ein Riesling aus der Pfalz zu bevorzugen. Aber auch ein gut gekühlter Roséwein passt dazu.

Da das königliche Gemüse meist mit anderen Speisen kombiniert wird und die Zubereitungsart eine nicht unbeträchtliche Rolle spielt, sollte die Auswahl des Weines mit besonderer Sorgfalt geschehen. Doch welcher passt nun zu welchem Gericht?

Zubereitungsarten und Wein

Bleich- oder Grünspargel werden meist nicht solo, sondern mit diversem Beiwerk, wie Kalbs- oder Schweineschnitzel, Petersilienkartoffeln, gekochtem oder rohem Schinken, Soße Hollandaise oder zerlassener Butter sowie Vinaigrette oder Dressing verspeist. Die Auswahl des zu kombinierenden Weines wird von der Soßenwahl bestimmt. Damit das vielfältig zubereitbare Königsgemüse ein rundum köstliches kulinarisches Erlebnis wird, ist es mit dem richtigen Traubensaft zu kombinieren. So zum Beispiel:

Der Silvaner (Rheinhessen) ist mit dezenten, fruchtigen Noten von Quitte und Stachelbeere die optimale Begleitung, wenn es um Spargelgerichte mit gekochten, milden oder luftgetrockneten, mild-würzigen Schinken geht. Hier harmoniert die liebliche Würze des Gemüses mit der salzigen des Schinkens und der feinen fruchtigen Note des Weines ideal. Ist der Schinken kräftiger, dann kann sogar ein leichter, gekühlter Rotwein serviert werden. Aber auch zu Spargelgerichten mit Butter oder Olivenöl und Kartoffeln ist ein Silvaner immer die richtige Ergänzung. Ein Grüner Silvaner oder Weißburgunder (beide Baden), ein französischer Chardonnay und ein aromatischer Sauvignon Blanc (Südfrankreich) passen ebenfalls dazu.

Wählt man ein Spargelgericht mit einer opulenten Hollandaise oder Remouladensoße ist ein frischer, trockener Spargelwein mit einem volleren Körper, aber zarten, fruchtigen Noten, wie der Weißburgunder aus Baden oder der Pfalz empfehlenswert. Aber auch mit einem guten, etwas gereiften Sauvignon Blanc mit weniger Säure, einem Moselriesling und einem Viognier aus Frankreich lassen sich derartige Gerichte komplettieren. Für die Hollandaise kann sogar ein Barriquewein gewählt werden.

Zu Spargelgerichten mit Fleisch passen sowohl Weißwein als auch Rotwein. Es kommt dabei nur auf die Fleischsorte an. Wird das Edelgemüse mit Schweine- oder Kalbsschnitzel beziehungsweise einem leckeren, mild gewürzten Schweinebraten oder Schweinefilet gereicht, dann sorgen herzhafte Weiß- und Grauburgunder oder ein Chardonnay für Harmonie.

Liegt neben dem Königsgemüse ein gegrilltes Rindersteak, Lammkotelett oder Lammkarree auf dem Teller, dann kann man sogar eine Flasche Rotwein öffnen. Hierfür ist ein nicht zu mächtiger, aber trotzdem geschmacklich intensiver Spätburgunder (Ahr oder Franken) empfehlenswert.

Bei Fisch und Krustentieren ist zur Erhaltung der feinen Spargelaromen auf eine milde Zubereitung zu achten. Ergänzt werden sollten derartige Gerichte mit einem weißen Burgunder (Pfalz) oder einem Rivaner (Franken). Die Aromen dieser Weine ergänzen sich optimal mit denen des edlen Gemüses.

Serviert man gedünstete Fischspeisen mit dem Stangengemüse, sollte zwischen Weißburgunder und Silvaner gewählt werden. Gebratener Lachs, Lachsforelle oder Saibling freut sich über einen trockenen Riesling. Reicht man den gebratenen Lachs mit Bozner Soße, ist auch ein seriöser Roséwein denkbar. Wird aber ein Zanderfilet in reichlich Butter gebraten und mit Spargelgemüse serviert, dann ist ein Chardonnay das richtige Getränk.

Ein halbtrockener Moselriesling oder ein trockener Muscat d’Alsace, der über eine zarte Restsüße verfügt, ist zu Spargelgerichten mit fruchtiger Schaumsoße optimal.

Die Weinauswahl für die beliebte Spargelsuppe hängt von deren Konsistenz ab. Das heißt, dass eine deftige und sämige Spargelcremesuppe idealerweise mit einem trockenen Weißwein komplettiert wird. Dieser Tropfen sollte über eine feinnervige Säure und viel Schmelz verfügen. Zu empfehlen sind ein klassischer Weißburgunder und ein grüner Veltiner, der allerdings jung und nicht zu grasig sein sollte.

Zu Spargelgerichten mit würzigem, kräftigem Grünspargel passen fruchtige Roséweine, vor allem Spätburgunder. Grünspargel zu Rindfleisch oder Schweinemedaillons kann sogar mit fruchtbetontem, leichtem bis mittelschwerem Rotwein kombiniert werden. Wird ein Spargelsalat aus Grünspargel angeboten, dann sollte man sich als Ergänzung für trockenere, leichte Weißweine, wie den fränkischen Silvaner, den Rivaneraus Baden oder den norditalienischen Sauvignon, entscheiden. Ansonsten harmonieren Spargelsalate mit feinem, würzigen Dressing oder milder Vinaigrette auch mit einem halbtrocknen Riesling (Rheingau) beziehungsweise Gavi aus Piemont. Wird er lauwarm gegessen, dann ist ein Grüner Veltiner die richtige Wahl.

Sehr gern wird der Grünspargel auch angebraten serviert. Aufgrund des kräftigen Eigengeschmacks und der beim Braten entstehenden Röstaromen bietet sich der Sauvignon Blanc (Pouilly-Fumé) mit rauchiger Mineralität an. Es kann aber auch ein Roséwein mit wenig Säure sein.

Schon anhand der verschiedenen Zubereitungsarten ist erkennbar, dass das königliche Gemüse zu vielen Speisen gereicht werden kann. Mit dem Spargelwein sieht es schon ein wenig anders aus, denn jedes Gericht verlangt zu seiner Vollkommenheit einen aromatisch passenden Tropfen.

Wie wäre es, mit Freunden oder der gesamten Familie gemeinsam zu kochen und das „essbare Elfenbein“ in allen seinen Variationen zu genießen. Natürlich in Kombination mit dem richtigen Spargelwein.

Tipps für einen kulinarischen Spargel-Abend mit Freunden oder Familie

Wie das alte Sprichwort „Bis Johanni nicht vergessen: Sieben Wochen Spargel essen“ schon erkennen lässt, kann der Spargelliebhaber nur für einen begrenzten Zeitraum das frisch vom Feld geerntete Gemüse genießen. Da dies in jedem Jahr so ist, kann ein gemeinsames Kochen mit Freunden oder mit der Familie von jedem Einzelnen rechtzeitig geplant werden.

Gemeinsam in der Küche zu stehen und das Königsgemüse zu schälen, zu schnippeln, zu würzen und zu kochen und dann noch ein edles Tröpfchen dazu zu trinken, das ist wohl die schönste Beschäftigung. Ein solcher Abend bietet sich natürlich an, wenn alle Teilnehmer begeisterte Feinschmecker von Spargelgerichten sind. Man muss sich nur einig sein, ob man ein Spargelmenü, das am Tisch serviert wird, oder ein Spargelbuffet zur Selbstbedienung anbieten möchte.

Spargelmenü

Ein Spargelmenü lässt sich im Team besonders gut kochen. Daher kann es ruhig mehrere Gänge beinhalten. Hier ein paar Vorschläge:

Da wäre zunächst einmal ein leckeres Schaum- oder Cremesüppchen vom Bleichspargel. Diese können dann mit verschiedenen Einlagen abgewandelt werden. Dazu gehören neben Spargelstückchen auch Parmaschinken, Pilze, Zuckerschoten und Erbsen. Besonders edel wird die Suppe, wenn Muscheln, Garnelen, Hummerfleisch oder Lachsbällchen hineingegeben werden. Sehr lecker wird die Spargelcremesuppe, wenn ein kleiner Schuss trockener Weißwein zugegeben wird. Für einen asiatischen Touch verfeinert man die Suppe mit Kokosmilch, Ingwer, Koriander und Zitronengras. Soll sie sehr ausgefallen sein, dann rundet man sie mit Orangensaft und Vanille ab.

Der zweite Gang wäre dann eine Vorspeise oder ein Salat aus dem Stangengemüse. Ein Spargelsalat mit Erdbeeren, das Traumduo des Frühlings, ist fruchtig und frisch. Generell sollte für die Salate entweder eine frische Vinaigrette aus Balsamicoessig, Zitronensaft, etwas Spargelsud, wenig Fleischbrühe, Öl und frischem Schnittlauch, abgeschmeckt mit Pfeffer und Salz, oder ein leichtes Dressing aus Olivenöl, Zitronensaft und Zwiebel, abgeschmeckt mit Pfeffer und etwas Zucker, verwendet werden.

Aber auch eine Bleichspargelmousse mit gebratenem Grünspargel und Aprikosen sind ein Genuss. Sehr edel schmeckt auch eine Spargelterrine mit Räucherlachsmantel. Wer es einfacher und dennoch lecker mag, der sollte einen Spargeltoast mit Rührei probieren.

Meist wird der Hauptgang klassisch serviert. Das heißt, Spargelstangen mit Soße Hollandaise oder zerlassener Butter beziehungsweise Butterbröseln, in Scheiben geschnittenem gekochtem oder rohem Schinken, paniertem Schweine- oder Kalbsschnitzel und Kartoffeln. Das Gericht schmeckt aber auch mit Räucherlachs, Hähnchenbrustfilet oder Zander mit Balsamico sehr lecker. Wird gebratenes Kalbsrückensteak oder Rinderfilet dazu gereicht, ist das Gericht besonders edel. Gut kommt auch eine Spargelplatte mit zwei verschiedenen Fleischsorten, wie Putenmedaillons und Kasslerbraten, mit Bleich- und Grünspargel, Soße Hollandaise mit Zitronenraspeln und Kerbel an.

Das Finale des Menüs bildet das Dessert. Ja, auch aus dem königlichen Stangengemüse kann ein Dessert zubereitet werden. Eine Schokoladencreme aus dunkler Kuvertüre, Creme fraiche, Erdbeeren und feinen Bleichspargelstreifen ist schnell zubereitet. Ein Highlight unter den Desserts ist das grüne Spargeleis mit Erdbeeren. Aber auch eine Spargelmousse mit Erdbeeren oder eine Creme brulee mit Bleichspargel ist nicht zu verachten. Ideen für Ihr Spargelessen finden Sie z.B. hier.

Man sollte aber unbedingt daran denken, dass der zu reichende Weißwein mit den Aromen der Speisen harmoniert. Auf alle Fälle sollte er vor dem Trinken angenehm gekühlt worden sein.

Spargelbuffet

Auf dem Spargelbuffet sind alle Köstlichkeiten rundum das Königsgemüse, die auch im Menü enthalten sind, klassisch und raffiniert zubereitet. Hier sind neben dem Edelgemüse und Kartoffeln auch Spargelsuppen, Vorspeisen, Salate und verschiedene Fleischgerichte, wie Schnitzel, Filet, Kassler, Fisch und mehr, Soße Hollandaise, Butterbrösel und zerlassene Butter angerichtet. Auch das süße Finale fehlt nicht. Bei einem Buffet ist jedoch dafür zu sorgen, dass die Speisen auch lang genug warmgehalten werden. Das Spargelbuffet hat den Vorteil, dass der Gast sich seine Speisen selbst auf den Teller geben kann und dies über den ganzen Abend hinweg. Der Gastgeber kann sich somit um seine Gäste kümmern und den Abend ebenfalls genießen.

Gemeinsam mit Freunden oder der ganzen Familie zu kochen, das ist ein geselliger Küchenspaß, dessen Resultat ein perfektes Dinner ist. Dazu kann man nur noch einen „Guten Appetit!“ wünschen.

Weinstein – Was hat es damit auf sich?

Ein Thema liegt mir schon seit längerem am Herzen, weil es immer wieder angesprochen, vollkommen falsch bewertet und häufig fehlinterpretiert wird – Weinstein. Was es wirklich damit auf Sicht hat und dass es eigentlich gar kein so großes Thema ist, möchte ich heute aufklären.


Weinstein – Nichts schlechtes!

Der Ruf des Weinsteins ist fast durch die Bank schlecht. Die meisten Leute glauben zu wissen, dass es Fehlbildungen des Weines, unappetitliche Ablagerungen oder Anzeichen von minderer Qualität sind. Das möchte ich hiermit einfach klar verneinen. Zu Unrecht sehen viele Weintrinker Weinstein kritisch.
Die kleinen Weinkristalle, die eben als Weinstein bezeichnet werden, sind weder ungesund oder schädlich, noch geschmackszerstörend. Der wahre Ursprung dieser Kristalle sind Mineralien im Wein, welche schon bei den jüngsten Weinen vorkommen können, auch wenn sie eher in älteren Tropfen auftreten. Recht häufig findet man die kleinen Kristalle zum Beispiel in Auslese-Weinen, die also ganz und gar nicht von minderer Qualität sind, im Gegenteil, wo sie sich entweder am Korken oder der Flaschenseite festsetzten. In Weinkreisen werden diese Ablagerungen auch mit stark positivem Unterton „Altersweinstein“ genannt.

Der Grund für den Weinstein ist der Folgende. Je reifer die Reben sind, desto größer ist der Säureanteil in den Trauben und auch die Mineralienkonzentration steigt nach und nach. Wenn nun diese Mineralien und die vorhandene Säure unter bestimmten Bedingungen zusammentreffen, kann sich Weinstein bilden. Diese Kristalle lösen sich eben nicht wieder auf, sondern setzten sich ab, entweder an der Flasche, dem Korken oder dem Fass.

Diese Weinkristalle haben nichts mit der Qualität des Weines zu tun, sondern lediglich mit der Arbeitsweise des Winzers. Theoretisch kann man vom Weinstein auf die Gärungsvorgänge rückschließen, denn je langsamer und schonender dieser Prozess abläuft, desto seltener kommt es zur Bildung dieser Kristalle. Und das Tempo dieser Vorgänge kann der Winzer durch Druck, Hefe oder Zusätzen entscheidend mitbestimmen. Daher kann man am Weinstein zwar sehen, dass die Gärung im Verhältnis zur vorhandenen Säure und den Mineralien schnell ablief, das sagt aber erstmal gar nichts über die Qualität des Weines aus. Auch der Geschmack wird von den Kristallen kein bisschen beeinflusst, denn diese bestehen nur aus festgewordener, versalzener Weinsäure, die komplett geschmacksneutral ist. Nicht selten findet man Weinstein in herausragend Spitzenweinen, die jahrelang gelagert haben, oder auch in großen Jahrgängen, die recht jung auf den Markt kommen.

Weinstein ist kein Grund zur Besorgnis und auch kein Grund dafür, den Wein zu verschmähen. Ich würde einfach durch Dekantieren, oder vorsichtiges Einschenken die Flüssigkeit von den kleinen Kristallen trennen, um diese nicht in das Glas zu bekommen, wo sie eigentlich nichts verloren haben.

Wein Mythen – Ein Beitrag gegen uralte Ammenmärchen

Es gibt ohne Ende Geschichten, Weisheiten und Mythen zum Thema Wein. Und manches ist einfach falsch. es verwundert mich immer wieder neu, wie es manche Mythen schaffen, so falsch sie auch sind, Jahrhunderte zu überdauern. Deswegen werde ich jetzt hier in diesem Artikel der Menschheit etwas Gutes tun und sie von ihrere Unwissenheit zu meinen fünf Lieblingsweinmythen befreien 😉 .

Mythen Bowlingkugel

1. Je teurer, desto besser.

Dieser Gedanke hat sich sowas von Fest in die Köpfe der Weintrinker einbetoniert.

„Was kostet dieser Wein denn? Oh, ahh, 40€? hmmm, der kann ja nur gut schmecken.“

Aber das ist wirklich Schwachsinn! Der Preis eines Weines setzt sich aus Nachfrage und Angebot zusammen. Und das muss gar nicht von vornherein etwas mit Qualität zu tun haben. So sind zum Beispiel seltene Weine grundsätzlich teurer, was aber noch lang nicht heißt, dass sie besser sind. Und selbst wenn der Wein unter so hohem Kurs steht, weil viele ihn so gern konsumieren, dann heißt das noch lange nicht, dass er jedermanns Geschmack ist.

Beispiel: Spätburgunder ist eine sehr eigene Rebsorte. Ich wage einfach einmal zu behaupten, dass sich 70% der gewöhnlichen Konsumenten mit einem guten Pinot noir nur halblebig anfreunden können. Während die anderen 30% alles für einen guten Spätburgunder geben würden.

Entscheidend bei einem Wein ist der Geschmack und die persönlichen Vorlieben. Der Preis hingegen sagt darüber nur wenig aus und ist auch nicht von vorneherein ein Qualitätsmerkmal.

2. Schraubverschluss = Billig

Das ist Schwachsinn! Der klassische Korkverschluss hat eben einfach so einige Nachteile. Zum Beispiel ein Großteil der Weinfehler werden über den Korken übertragen. Außerdem ist Kork ein viel nachgefragter Rohstoff. Der einzige unbestreitbare und nahezu unersetzbare Vorteil des Korkens ist seine Atmungsfähigkeit. Diese Fähigkeit muss der Weinverschluss aber nur bei Flaschen, die für eine lange Lagerung und noch mögliche Reifung in der Flasche vorgesehen sind, aufweisen. Da es aber gerade bei Weißweinen viele Tropfen gibt, denen das eher schadet als nützt haben viele Winzer inzwischen auf die billigeren, unkomplizierten und dicht verschließenden Schraubverschlüsse umgestellt. Das heißt noch lange nicht, dass der Wein deshalb schlecht ist. Es gibt Spitzenweine mit Schraubverschluss!

3. Der Rotwein und die Zimmertemperatur

Der Rotwein muss bei Zimmertemperatur getrunken werden, heißt es. Ich habe meinen Lieblingssatz für heute gefunden: Das ist Schwachsinn! Ich verstehe einfach nicht, wie sich eine solche Regel, die vor mehreren hundert Jahren aufgestellt wurde, halten kann. Bei Zimmertemperatur ist nämlich die Rede von ungeheizten Steingemäuern oder schlecht isolierten Lehmhäusern. Das war genau die richtige Temperatur für einen Rotwein, nämlich zwischen 16 und 18°C. Bei unseren heutigen, mollig warmen 20°C als durchschnittliche Zimmertemperatur fühlt sich kein Wein wohl. Wer immernoch diesem Irrtum aufliegt, der hat noch nie einen richtig temperierten Rotwein getrunken, denn diesen Unterschied schmeckt man wirklich.

4. Weine werden mit dem Alter besser

Die Grundsätzliche Meinung vieler ist, dass Weine immer mit dem Alter besser werden. Man kennt das vom Cognac oder Whiskey, Alkohol wird nicht, und Wein wird ja auch lange gelagert, also geht das mit allem Wein. So findet man gern mal bei Oma im Keller eine Flasche Müller-Thurgau 1992 für 10 Mark gekauft. Ich lehne mich jetzt einfach mal ganz weit aus dem Fenster mit der Behauptung: „Dieser Wein schmeckt inzwischen komplett sch….“  Sowohl Wein, als auch Sekt wird bloß in ganz außergewöhnlichen Fällen wirklich mit dem Alter besser. Bei Weißweinen ist das noch viel seltener der Fall, als bei den roten Tropfen. Und selbst die richtig guten Weine überschreiten irgendwann ihren Reifehöhepunkt, und dann geht es bergab mit ihnen. Also lieber ab und zu mal schauen, was für Weine man noch im Keller liegen hat, weil genauso wie die alten Konserven, werden diese eher selten immer besser, irgendwann laufen sie einfach ab, der eine Wein früher, der andere später.

5. Rotweinsauce alkoholfrei

Auch eines meiner Lieblingsmärchen zum Thema Wein. Viele behaupten, dass Wein, nachdem er gekocht wurde, keinen Alkohol mehr enthält. Ich will all die Mütter, die ihren Kleinkindern Spaghetti mit Tomatensauce voller Rotwein serviert haben, nicht beunruhigen, aber das ist mit nichten so. Man kann den Alkohol beim Kochen quasi nie ganz verdampfen lassen. Selbst nach 3 Stunden köcheln sind noch Reste des Alkohols enthalten. Natürlich wird dieser weniger, aber durch Bindungsstoffe, wie Fette oder ähnliches im Wasser, in den Farbstoffen und allem anderen kann der Alkohol eben nicht wie gewohnt bei 78°C einfach verdunsten. Oder wie wollen Sie mir erklären, dass ich, auch wenn der Glühwein aus Versehen kurz gekocht hat, eine gute Trunkenheit am Ende des Abends spüre?