Weinstein – Was hat es damit auf sich?

Ein Thema liegt mir schon seit längerem am Herzen, weil es immer wieder angesprochen, vollkommen falsch bewertet und häufig fehlinterpretiert wird – Weinstein. Was es wirklich damit auf Sicht hat und dass es eigentlich gar kein so großes Thema ist, möchte ich heute aufklären.


Weinstein – Nichts schlechtes!

Der Ruf des Weinsteins ist fast durch die Bank schlecht. Die meisten Leute glauben zu wissen, dass es Fehlbildungen des Weines, unappetitliche Ablagerungen oder Anzeichen von minderer Qualität sind. Das möchte ich hiermit einfach klar verneinen. Zu Unrecht sehen viele Weintrinker Weinstein kritisch.
Die kleinen Weinkristalle, die eben als Weinstein bezeichnet werden, sind weder ungesund oder schädlich, noch geschmackszerstörend. Der wahre Ursprung dieser Kristalle sind Mineralien im Wein, welche schon bei den jüngsten Weinen vorkommen können, auch wenn sie eher in älteren Tropfen auftreten. Recht häufig findet man die kleinen Kristalle zum Beispiel in Auslese-Weinen, die also ganz und gar nicht von minderer Qualität sind, im Gegenteil, wo sie sich entweder am Korken oder der Flaschenseite festsetzten. In Weinkreisen werden diese Ablagerungen auch mit stark positivem Unterton „Altersweinstein“ genannt.

Der Grund für den Weinstein ist der Folgende. Je reifer die Reben sind, desto größer ist der Säureanteil in den Trauben und auch die Mineralienkonzentration steigt nach und nach. Wenn nun diese Mineralien und die vorhandene Säure unter bestimmten Bedingungen zusammentreffen, kann sich Weinstein bilden. Diese Kristalle lösen sich eben nicht wieder auf, sondern setzten sich ab, entweder an der Flasche, dem Korken oder dem Fass.

Diese Weinkristalle haben nichts mit der Qualität des Weines zu tun, sondern lediglich mit der Arbeitsweise des Winzers. Theoretisch kann man vom Weinstein auf die Gärungsvorgänge rückschließen, denn je langsamer und schonender dieser Prozess abläuft, desto seltener kommt es zur Bildung dieser Kristalle. Und das Tempo dieser Vorgänge kann der Winzer durch Druck, Hefe oder Zusätzen entscheidend mitbestimmen. Daher kann man am Weinstein zwar sehen, dass die Gärung im Verhältnis zur vorhandenen Säure und den Mineralien schnell ablief, das sagt aber erstmal gar nichts über die Qualität des Weines aus. Auch der Geschmack wird von den Kristallen kein bisschen beeinflusst, denn diese bestehen nur aus festgewordener, versalzener Weinsäure, die komplett geschmacksneutral ist. Nicht selten findet man Weinstein in herausragend Spitzenweinen, die jahrelang gelagert haben, oder auch in großen Jahrgängen, die recht jung auf den Markt kommen.

Weinstein ist kein Grund zur Besorgnis und auch kein Grund dafür, den Wein zu verschmähen. Ich würde einfach durch Dekantieren, oder vorsichtiges Einschenken die Flüssigkeit von den kleinen Kristallen trennen, um diese nicht in das Glas zu bekommen, wo sie eigentlich nichts verloren haben.

Wein Mythen – Ein Beitrag gegen uralte Ammenmärchen

Es gibt ohne Ende Geschichten, Weisheiten und Mythen zum Thema Wein. Und manches ist einfach falsch. es verwundert mich immer wieder neu, wie es manche Mythen schaffen, so falsch sie auch sind, Jahrhunderte zu überdauern. Deswegen werde ich jetzt hier in diesem Artikel der Menschheit etwas Gutes tun und sie von ihrere Unwissenheit zu meinen fünf Lieblingsweinmythen befreien 😉 .

Mythen Bowlingkugel

1. Je teurer, desto besser.

Dieser Gedanke hat sich sowas von Fest in die Köpfe der Weintrinker einbetoniert.

„Was kostet dieser Wein denn? Oh, ahh, 40€? hmmm, der kann ja nur gut schmecken.“

Aber das ist wirklich Schwachsinn! Der Preis eines Weines setzt sich aus Nachfrage und Angebot zusammen. Und das muss gar nicht von vornherein etwas mit Qualität zu tun haben. So sind zum Beispiel seltene Weine grundsätzlich teurer, was aber noch lang nicht heißt, dass sie besser sind. Und selbst wenn der Wein unter so hohem Kurs steht, weil viele ihn so gern konsumieren, dann heißt das noch lange nicht, dass er jedermanns Geschmack ist.

Beispiel: Spätburgunder ist eine sehr eigene Rebsorte. Ich wage einfach einmal zu behaupten, dass sich 70% der gewöhnlichen Konsumenten mit einem guten Pinot noir nur halblebig anfreunden können. Während die anderen 30% alles für einen guten Spätburgunder geben würden.

Entscheidend bei einem Wein ist der Geschmack und die persönlichen Vorlieben. Der Preis hingegen sagt darüber nur wenig aus und ist auch nicht von vorneherein ein Qualitätsmerkmal.

2. Schraubverschluss = Billig

Das ist Schwachsinn! Der klassische Korkverschluss hat eben einfach so einige Nachteile. Zum Beispiel ein Großteil der Weinfehler werden über den Korken übertragen. Außerdem ist Kork ein viel nachgefragter Rohstoff. Der einzige unbestreitbare und nahezu unersetzbare Vorteil des Korkens ist seine Atmungsfähigkeit. Diese Fähigkeit muss der Weinverschluss aber nur bei Flaschen, die für eine lange Lagerung und noch mögliche Reifung in der Flasche vorgesehen sind, aufweisen. Da es aber gerade bei Weißweinen viele Tropfen gibt, denen das eher schadet als nützt haben viele Winzer inzwischen auf die billigeren, unkomplizierten und dicht verschließenden Schraubverschlüsse umgestellt. Das heißt noch lange nicht, dass der Wein deshalb schlecht ist. Es gibt Spitzenweine mit Schraubverschluss!

3. Der Rotwein und die Zimmertemperatur

Der Rotwein muss bei Zimmertemperatur getrunken werden, heißt es. Ich habe meinen Lieblingssatz für heute gefunden: Das ist Schwachsinn! Ich verstehe einfach nicht, wie sich eine solche Regel, die vor mehreren hundert Jahren aufgestellt wurde, halten kann. Bei Zimmertemperatur ist nämlich die Rede von ungeheizten Steingemäuern oder schlecht isolierten Lehmhäusern. Das war genau die richtige Temperatur für einen Rotwein, nämlich zwischen 16 und 18°C. Bei unseren heutigen, mollig warmen 20°C als durchschnittliche Zimmertemperatur fühlt sich kein Wein wohl. Wer immernoch diesem Irrtum aufliegt, der hat noch nie einen richtig temperierten Rotwein getrunken, denn diesen Unterschied schmeckt man wirklich.

4. Weine werden mit dem Alter besser

Die Grundsätzliche Meinung vieler ist, dass Weine immer mit dem Alter besser werden. Man kennt das vom Cognac oder Whiskey, Alkohol wird nicht, und Wein wird ja auch lange gelagert, also geht das mit allem Wein. So findet man gern mal bei Oma im Keller eine Flasche Müller-Thurgau 1992 für 10 Mark gekauft. Ich lehne mich jetzt einfach mal ganz weit aus dem Fenster mit der Behauptung: „Dieser Wein schmeckt inzwischen komplett sch….“  Sowohl Wein, als auch Sekt wird bloß in ganz außergewöhnlichen Fällen wirklich mit dem Alter besser. Bei Weißweinen ist das noch viel seltener der Fall, als bei den roten Tropfen. Und selbst die richtig guten Weine überschreiten irgendwann ihren Reifehöhepunkt, und dann geht es bergab mit ihnen. Also lieber ab und zu mal schauen, was für Weine man noch im Keller liegen hat, weil genauso wie die alten Konserven, werden diese eher selten immer besser, irgendwann laufen sie einfach ab, der eine Wein früher, der andere später.

5. Rotweinsauce alkoholfrei

Auch eines meiner Lieblingsmärchen zum Thema Wein. Viele behaupten, dass Wein, nachdem er gekocht wurde, keinen Alkohol mehr enthält. Ich will all die Mütter, die ihren Kleinkindern Spaghetti mit Tomatensauce voller Rotwein serviert haben, nicht beunruhigen, aber das ist mit nichten so. Man kann den Alkohol beim Kochen quasi nie ganz verdampfen lassen. Selbst nach 3 Stunden köcheln sind noch Reste des Alkohols enthalten. Natürlich wird dieser weniger, aber durch Bindungsstoffe, wie Fette oder ähnliches im Wasser, in den Farbstoffen und allem anderen kann der Alkohol eben nicht wie gewohnt bei 78°C einfach verdunsten. Oder wie wollen Sie mir erklären, dass ich, auch wenn der Glühwein aus Versehen kurz gekocht hat, eine gute Trunkenheit am Ende des Abends spüre?

 

Bio Weine und Weine aus biologischem Anbau

Links, rechts, vorne, hinten, überall Bio!

Bio-Produkte haben Konjunktur. Gerade in Deutschland kommt man selbst in Discountern nicht an einem großen Angebot an Produkten aus ökologischer Landwirtschaft vorbei.

Dieser Umstand verwundert auch nicht, da Deutschland mit Abstand das Land mit der größten Nachfrage an „Bio-Produkten“ ist. Mit rund 10 Prozent des Weltumsatzes nimmt es eine Spitzenposition ein. Der Import an Bio-Lebensmittel hat sich in den letzten 3 Jahren mehr als verdreifacht und wächst weiterhin.

Für diese „Bio-Produkte“ gibt es viele Namen: Ökologische Landwirtschaft, biologische Landwirtschaft, Ökolandbau oder biologisch-dynamischer Anbau. Beim Wein sieht es etwas differenzierter aus. Hier heißt es: Weine aus Trauben aus ökologischem Anbau?

Wieso bezieht sich diese Definition nur auf den Anbau der Trauben? Ganz einfach da es nur in einigen Verbänden auch klare Vorschriften für den Ausbau der Weine gibt.

Die EU-Verordnung definiert Bio nur mit folgenden Richtlinien: Verzicht auf chemisch, synthetische Spritzmittel, auf Unkrautvernichtungsmittel und Einsatz von organischem Dünger.

Natürlich ist man nicht sofort „Bio“, sondern es gibt auch eine sogenannte „Umstellungszeit“. Nachdem sich ein Betrieb 3 Jahre an die obigen Richtlinien gehalten hat darf er sich als „Bio-Betrieb“ bezeichnen, nach einem Jahr darf er nur auf „in Umstellung“ verweisen.

Doch was ist das EU-Biosiegel wirklich wert? Zahlreiche Skandale haben das Vertrauen in dieses Siegel bei aufgeklärten Verbrauchern ins Wanken gebracht. Aus Italien wurden z.B. letztes Jahr rund 700.000 Tonnen aus konventionellem Anbau als „Bio-Produkte“ auf den Markt gebracht.

Ich persönlich vertraue eher auf nationale oder internationale Verbände, welche gerade beim Wein auch den Ausbau reglementieren. In Deutschland sind EcoVin, Demeter, Bioland und Naturland meine Favoriten, wobei Demeter auch nahezu perfekt international organisiert ist.

Demeter ist für mich auch mit Abstand der vertrauenswürdigste Verband. Hier wird nach der anthroposophischen Lehre zertifiziert und streng kontrolliert. Dies geht zurück auf die Lehre von Rudolf Steiner (1861 – 1925). Hier spielt neben der Dynamisierung des Bodens auch die Verbindung zwischen Erde und Kosmos eine Rolle.

„Bio-Weine“ hatten in der Vergangenheit ein schlechtes Image, dies hat sich in den letzten Jahren aber zu Recht geändert. Heute arbeiten viele Betriebe nach diesen Richtlinien, ohne sich kontrollieren zu lassen, bzw. ohne sich einem Verband anzuschließen. Einige der teuersten Weine der Welt werden nach diesen Grundregeln produziert. Eines der populärsten Weingüter ist die Domaine Romanée-Conti.

Sind Bio-Weine jetzt wirklich besser als Weine aus konventionellem Anbau? Dies muss jeder für sich entscheiden, aber für die Umwelt sind sie sicherlich besser.