Wein Mythen – Ein Beitrag gegen uralte Ammenmärchen

Es gibt ohne Ende Geschichten, Weisheiten und Mythen zum Thema Wein. Und manches ist einfach falsch. es verwundert mich immer wieder neu, wie es manche Mythen schaffen, so falsch sie auch sind, Jahrhunderte zu überdauern. Deswegen werde ich jetzt hier in diesem Artikel der Menschheit etwas Gutes tun und sie von ihrere Unwissenheit zu meinen fünf Lieblingsweinmythen befreien 😉 .

Mythen Bowlingkugel

1. Je teurer, desto besser.

Dieser Gedanke hat sich sowas von Fest in die Köpfe der Weintrinker einbetoniert.

„Was kostet dieser Wein denn? Oh, ahh, 40€? hmmm, der kann ja nur gut schmecken.“

Aber das ist wirklich Schwachsinn! Der Preis eines Weines setzt sich aus Nachfrage und Angebot zusammen. Und das muss gar nicht von vornherein etwas mit Qualität zu tun haben. So sind zum Beispiel seltene Weine grundsätzlich teurer, was aber noch lang nicht heißt, dass sie besser sind. Und selbst wenn der Wein unter so hohem Kurs steht, weil viele ihn so gern konsumieren, dann heißt das noch lange nicht, dass er jedermanns Geschmack ist.

Beispiel: Spätburgunder ist eine sehr eigene Rebsorte. Ich wage einfach einmal zu behaupten, dass sich 70% der gewöhnlichen Konsumenten mit einem guten Pinot noir nur halblebig anfreunden können. Während die anderen 30% alles für einen guten Spätburgunder geben würden.

Entscheidend bei einem Wein ist der Geschmack und die persönlichen Vorlieben. Der Preis hingegen sagt darüber nur wenig aus und ist auch nicht von vorneherein ein Qualitätsmerkmal.

2. Schraubverschluss = Billig

Das ist Schwachsinn! Der klassische Korkverschluss hat eben einfach so einige Nachteile. Zum Beispiel ein Großteil der Weinfehler werden über den Korken übertragen. Außerdem ist Kork ein viel nachgefragter Rohstoff. Der einzige unbestreitbare und nahezu unersetzbare Vorteil des Korkens ist seine Atmungsfähigkeit. Diese Fähigkeit muss der Weinverschluss aber nur bei Flaschen, die für eine lange Lagerung und noch mögliche Reifung in der Flasche vorgesehen sind, aufweisen. Da es aber gerade bei Weißweinen viele Tropfen gibt, denen das eher schadet als nützt haben viele Winzer inzwischen auf die billigeren, unkomplizierten und dicht verschließenden Schraubverschlüsse umgestellt. Das heißt noch lange nicht, dass der Wein deshalb schlecht ist. Es gibt Spitzenweine mit Schraubverschluss!

3. Der Rotwein und die Zimmertemperatur

Der Rotwein muss bei Zimmertemperatur getrunken werden, heißt es. Ich habe meinen Lieblingssatz für heute gefunden: Das ist Schwachsinn! Ich verstehe einfach nicht, wie sich eine solche Regel, die vor mehreren hundert Jahren aufgestellt wurde, halten kann. Bei Zimmertemperatur ist nämlich die Rede von ungeheizten Steingemäuern oder schlecht isolierten Lehmhäusern. Das war genau die richtige Temperatur für einen Rotwein, nämlich zwischen 16 und 18°C. Bei unseren heutigen, mollig warmen 20°C als durchschnittliche Zimmertemperatur fühlt sich kein Wein wohl. Wer immernoch diesem Irrtum aufliegt, der hat noch nie einen richtig temperierten Rotwein getrunken, denn diesen Unterschied schmeckt man wirklich.

4. Weine werden mit dem Alter besser

Die Grundsätzliche Meinung vieler ist, dass Weine immer mit dem Alter besser werden. Man kennt das vom Cognac oder Whiskey, Alkohol wird nicht, und Wein wird ja auch lange gelagert, also geht das mit allem Wein. So findet man gern mal bei Oma im Keller eine Flasche Müller-Thurgau 1992 für 10 Mark gekauft. Ich lehne mich jetzt einfach mal ganz weit aus dem Fenster mit der Behauptung: „Dieser Wein schmeckt inzwischen komplett sch….“  Sowohl Wein, als auch Sekt wird bloß in ganz außergewöhnlichen Fällen wirklich mit dem Alter besser. Bei Weißweinen ist das noch viel seltener der Fall, als bei den roten Tropfen. Und selbst die richtig guten Weine überschreiten irgendwann ihren Reifehöhepunkt, und dann geht es bergab mit ihnen. Also lieber ab und zu mal schauen, was für Weine man noch im Keller liegen hat, weil genauso wie die alten Konserven, werden diese eher selten immer besser, irgendwann laufen sie einfach ab, der eine Wein früher, der andere später.

5. Rotweinsauce alkoholfrei

Auch eines meiner Lieblingsmärchen zum Thema Wein. Viele behaupten, dass Wein, nachdem er gekocht wurde, keinen Alkohol mehr enthält. Ich will all die Mütter, die ihren Kleinkindern Spaghetti mit Tomatensauce voller Rotwein serviert haben, nicht beunruhigen, aber das ist mit nichten so. Man kann den Alkohol beim Kochen quasi nie ganz verdampfen lassen. Selbst nach 3 Stunden köcheln sind noch Reste des Alkohols enthalten. Natürlich wird dieser weniger, aber durch Bindungsstoffe, wie Fette oder ähnliches im Wasser, in den Farbstoffen und allem anderen kann der Alkohol eben nicht wie gewohnt bei 78°C einfach verdunsten. Oder wie wollen Sie mir erklären, dass ich, auch wenn der Glühwein aus Versehen kurz gekocht hat, eine gute Trunkenheit am Ende des Abends spüre?

 

Die Weinsammlung sollte klar als Hobby definiert werden.

Heute möchte ich mal eine nette kleine Anekdote, falls man diese Story so nennen mag, posten. Ich habe diese Geschichte letztens im Internet gelesen, und hoffe, dass ich sie hier möglichst detailgetreu nacherzählen kann. Aber auf jeden Fall wollte ich das meinen Lesern nicht vorenthalten.

Also: Hierbei handelt es sich um ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 2010, welches das Amtsgericht München im Einzelfall ausgesprochen hat. (solange ich mich recht entsinne)

Weinsammlung gerettetFolgende Situation:

Eine Ehepaar wollte sich scheiden lassen und war in Anbetracht dessen dabei, den Hausrat und das Vermögen aufzuteilen. Das lief soweit auch alles rund, bis sich der Fokus auf den recht üppigen Weinkeller des Haushaltes legte. Der Mann war ein unglaublich fanatischer Weinliebhaber und hatte sich einen enormen Bestand an zum Teil sehr teuren Weinen angelegt. Als fanatisch würde ich ihn deshalb bezeichnen, weil er nicht nur sehr gewissenhaft seinen Bestand pflegte und ausbaute. Er ging soweit, dass er alles katalogisierte, bis hin zum schon beim Kauf bestimmten Datum und Anlass des Verzehrs. Kurz gesagt: Er hatte viel Arbeit, Herzblut und Unmengen an Geld in seine Sammlung gesteckt. Er war alleiniger Herscher des muffigen Reiches im Keller, und auch als Einziger überhaupt interessiert daran. Der Ehemann war Weinliebhaber, die Ehefrau konsumierte dagegen selten Wein. Im Rahmen der Scheidung forderte die Frau jetzt die Aufteilung dieser Weine auf beide Parteien, oder alternativ eine Ausgleichszahlung an sie in Höhe von 250.000€. Da der Mann mit nichten gewillt war, das einzusehen, ging die Sache vors Gericht, welches dazu folgende Meinung hatte:

Die Weinsammlung gehörte in diesem Einzelfall nicht zum Hausrat, was normalerweise, wie bei allen Vorräten an Nahrungsmitteln und Getränken der Fall wäre. Der Antrag der Ehefrau auf Ausgleichszahlungen wurde abgelehnt. Denn es wurde eindeutig festgestellt, dass die Weine nicht der gemeinsamen Lebensführung dienten, oder für das Zusammenleben bestimmt waren. Das Gericht definierte diese Sammlung als alleiniges Eigentum des Ehemannes, da sie seinem Hobby zugeordnet werden könne. Und da für das Gericht klar war, dass Gegenstände, die ausschließlich der Arbeit oder einem Hobby zuzuordnen seien, weder zum Hausrat gehörten, noch aufgeteilt werden müssten. Allerdings erklärte das Gericht auch, dass im Falle einer Wertsteigerung im Rahmen des Zugewinnausgleiches, dann doch noch ein geringe Zahlung erforderlich sei.

Liebe Männer, was lernen wir daraus?

Hast du deine Weinchen gern, dann halt sie von den Weibchen fern!

Oder einfacher gesagt:

Wer gerade im Begriff ist die Scheidung einzureichen, der sollte sich vielleicht nochmal überlegen, ob die Frau noch in den Weinkeller darf.