Weinbau in China – Der schlafende Riese erwacht langsam

Lange Zeit konnte der Weinbau in China nicht wirklich Fuß fassen. Obwohl schon vor mehreren tausend Jahren Zeugnisse von Weinbereitung in China überliefert sind, trinken die meisten Chinese lieber Reiswein oder einfach Bier.

Aber seit inzwischen ist der Chinesische Wein immer mehr im kommen. Das gilt nicht nur für die ständig ansteigende produzierte Menge, sonder auch für die Qualität. Immer öfter werden chinesische Tropfen von Weinkennern hoch gelobt und prämiert. Seinen Ruf als Exot verliert der Wein aus der Volksrepublik nach und nach.

China Wein

Geschichte

Es ist eindeutig und unbestritten, dass in China schon seit jeher Weinbau betrieben wird. Immer wieder findet man auch Hinweise darauf, dass weltweit der erste Wein im Bereich der heutigen Volksrepublik China gekeltert wurde. Allerdings war der Weinbau in China dann über lange Zeit komplett in Vergessenheit. In den Zeiten, in denen der europäische Markt und dann auch die Winzer in Übersee immer weiter expandierten, redet niemand über Wein aus China. Und wenn überhaupt nur über billigen, schlechten Massenwein. Aber seit einigen Jahren bewegt sich etwas. Es ist eine deutliche Professionalisierung erkennbar. Mit finanziellen Mitteln brachten die Kellermeister Wissen aus Europa nach China und erreichen so immer höhere Qualitäten.

Noch ist das natürlich nicht die Regel. es gibt noch viele Konsumenten, die chinesischen Wein misstrauisch beäugen und immer wieder dringen Meldung durch, dass in China Wein mit Zuckerwasser gestreckt würde. Aber ich glaub es ist nur eine Frage der Zeit, bis der schlafende Riese es schafft, sein Image zu polieren, mit Qualität zu überzeugen und vollkommen zum Leben erwacht.

12 Millionen Hektoliter Wein werden aktuell in China jährlich produziert. Das heißt wenn wir über eine noch „geringe“ Produktion reden, muss man das immer im Verhältnis zu dem Land setzten. Als Vergleich kann man sagen, dass in Deutschland 10 Millionen Hektoliter im Jahr produziert werden. Aber Deutschland hat eben gerade einmal 0,02% der Fläche Chinas und 6% der Bevölkerung.

In China werden aktuell ungefähr 500.000 Hektar Rebfläche von gerade einmal 900 Weinbaubetrieben bewirtschaftet

Rebsorten

In China findet man mehr verschiedene Rebsorten, als man sich überhaupt vorstellen kann. Ganz häufig handelt es sich dabei um solche, die aus chinesischen Wildreben entstanden sind und so nur in China vorkommen. Aber der Anteil an klassischen europäischen Rebsorten nimmt durch den Einfluss französischer und italienischer Önologen immer mehr zu. Somit gehören folgende Sorten inzwischen zu den wichtigsten in der Volksrepublik:

Weiß: Chardonnay, Chenin Blanc, Müller-Thurgau, Muskateller, Rieslig, Sauvignon Blanc, Semillon, Silvaner, Weißburgunder

Rot: Cabernet Sauvignon, Gamay, Malbec, Merlot, Pinot Noir, Syrah

Probieren ist Pflicht!

Wenn Sie jetzt ein bisschen neugierig geworden sind und gerne einmal chinesischen Wein probieren würden, kann ich Ihnen folgende Flaschen herzlichst empfehlen:

Rotwein:

2011er Changyu Cabernet Blend

2010er Changyu Cabernet d’Est

Weißwein:

2011er Changyu Chardonnay Riesling

Süßwein:

2009er Changyu Gold Diamond Icewine Vidal

Weinbau in Südafrika – Gleichzeitig 150 und 20 Jahre alt

Es war einmal im Jahre 1647. Schon seit vielen Monaten waren sie an Bord der Haerlem – eine Mannschaft aus furchtlosen, hartgesottenen Seebären. Doch dann, eines nachts, kam ein unglaublicher Sturm auf. Mit aller Kraft, allem Geschick und allen Möglichkeiten versuchte die Crew das holländische Schiff zu retten, aber alles war vergebens. Die Haerlem lief auf Grund an der gefährlichen Küste des Kaps der Stürme – besser bekannt als Kap der Guten Hoffnung. Glück im Unglück – Die Mannschaft überlebte, aber das Schiff war hinüber, keine Möglichkeit in Sicht von diesem verfluchten Land wegzukommen. Ein ganzes Jahr lang saßen die Männer fest und sicherten ihr Überleben durch den Anbau von Gemüse und den Handel mit dem einheimischen Volk der Khoikhoi.  Ihre Berichte, dass es dort viel Süßwasser, Fische und Wild gebe, motivierte die Niederländische Ostindien- Kompanie VOC (General Verenighde Nederlandsche g’octroieerde Oostindische Compagnie), am Kap einen Stützpunkt zur Nahrungsmittelversorgung der Schiffe zu errichten. Die VOC, ein Zusammenschluss kleiner niederländischer Händler, die den Handel für die Regierung übernahm, wollte das Monopol Portugals auf dem Seeweg um das Kap brechen, um am lukrativen Gewürzhandel mit dem Osten teilzuhaben. 

SüdafrikaAuf diese Weise kam dann ein paar Jahre später, 1652, Jan van Riebeeck ins heutige Südafrika. Er wurde mit der Aufgabe betreut das Land zu bestellen und damit einen Versorgungsstützpunkt für holländische Schiffe zu errichten. So kamen auch die ersten Rebstöcke 1655 den Weg in die Kapregion. Und 1659 findet man im Tagebuch von Jan van Riebeeck: „Heute, Gott sei Lob und Dank, wurde zum ersten Male Wein aus den Trauben am Kap gepresst, und der frische Most wurde direkt aus dem Fass gekostet.“ 

Nach und nach folgten auch immer mehr einfache Bauern dem Vorbild der Kolonialisten und so wurden immer größere Flächen mit Wein bestockt.

Als dann Simon van der Stel 1685 Riebeecks Aufgaben übernahm, begann dieser mit Pflanzungen an den unteren Hängen der Steebergen in Constantia. Hier liegt schließlich auch der Ursprung der berühmten, geschichtsträchtigen und süßen Constantia-Weine der Rebsorten Muscadelle, Pontac und Frontignac, die etwa 200 Jahre lang die wertvollsten Weine der Anbauregion am Kap waren. Die Winzer von Constantia legten mehr Wert auf Qualität als Quantität und widmeten sich mit Sorgfalt ihren Weingärten. Hier bestand der Unterschied zu den mehr robusten und weniger verfeinerten Weinen, die andernorts produziert wurden.

Beispielsweise Friedrich der Große von Preußen war ein großer Liebhaber der Weine aus Constantia. Auch sonst findet man in den großen Weinkellern dieser Zeit auf der ganzen Welt Aufzeichnungen über beträchtliche Mengen an Constantiaweinen. Die britische Autorin Jane Austen schrieb sogar ein Buch darüber: „Sinn und Sinnlichkeit“.

1688 waren die Hugenotten auf der Flucht aus Frankreich. Auch sie kamen teilweise nach Südafrika, und konnten, da sie viel Erfahrung mit Wissen mitbrachten, dem Weinbau einen gewaltigen Aufschwung verpassen.

im 18. Jahrhundert entstand eine enorme Überproduktion an Weinen von schlechter Qualität, die wenig Absatz fanden. Aufschwünge gab es in Zeiten, wenn in Europa Krieg herrschte, und in der Zeit der britischen Besetzung.

1861 kam es dann zum GAU für den Weinanbau in Südafrika. Durch Reblausbefall waren die Rebstöcke so gut wie ausgerottet, bis dann aus Amerika reblausresistente Wurzelstöcke kamen.

Als dann 1948 durch einen Regierungswechsel der Ära der Apartheid eingeläutet wurde sah es schlecht aus für den Weinbau. Viele Handelspartner verhängten Boykotte und Sanktionen. Der Export ging rasant zurück.

Die Freilassung Nelson Mandelas 1994 und der rasche – und glücklicherweise friedliche – Übergang zur Demokratie ebneten schließlich den Weg für qualitätsorientierten Weinbau in der modernen Zeit. Zusammen mit der Schaffung einer Werbeinstitution (Wines of South Africa) konnte eine Generation junger Kellermeister im Ausland arbeiten und reisen. Mit neuen Erkenntnissen, Methoden und Ideen kehrten diese heim und revolutionierten den Weinbau. Der internationale Wettbewerb und ein rasantes Absatzwachstum führten zu einem Stilwandel der südafrikanischen Weine sowie zu einem verstärkten Interesse der Winzer an der Verbesserung ihrer Qualität. Das zeigt sich an der großen Zahl internationaler Auszeichnungen, die südafrikanische Weine seit den ersten demokratischen Wahlen 1994 für sich verbuchen konnten. Sie illustrieren den bemerkenswerten Wandel der Weinwirtschaft, der heute gleichzeitig 350 und 20 Jahre alt ist.  

Wein aus Bulgarien – Das Erbe der Thraker

Es war einmal, damals, vor über 1000 Jahren. Die Thraker, ein riesiges, indogermanisches Volk, bevölkerten im 8. Jahrhundert vor Christus den ganzen Balkan und Gebiete bis nach Kleinasien. Herodot bezeichnete sie als das größte Volk nach den Indern zu dieser Zeit. So besiedelten sie damals auch das heutige Bulgarien. Wenn man antiken, griechischen Quellen trauen kann, die natürlich nicht nur auf freundschaftlichen Beziehungen beruhten, dann bestand dieses Volk aus trinkfesten und raubeinigen Haudegen.  Eine gängige Beschimpfung in der griechischen Literatur bei Archilochos beispielsweise war: „Er trinkt wie ein Thraker.“ Sogar der griechische Gott des Weines Dionysos galt deshalb als thrakisch.

Weinbau Bulgarien Gebirgsansicht

Weinregion im Pirin-Gebirge in der Nähe Melnik, Bulgarien

Man merkt, dieses Volk muss berühmt gewesen sein, für seine Feiern, die Trinkfestigkeit und natürlich den Weinbau. So waren es die Thraker, die im 8. Jahrhundert vor Christus begonnen, Wein im heutigen Bulgarien anzupflanzen. Als dann die römischen Besatzungsmächte die Varianten an Kelter- und Weinbaumethoden noch um ein Vielfaches bereicherten, wurde thrakischer Wein aus Bulgarien im ganzen großen Reich ums Mittelmeer berühmt. Viele Wohlhabende genossen diese edlen Tropfen aus dem fernen Balkan und ließen dafür auch gerne ein paar Groschen springen.

Bulgarien etablierte sich als hervorragendes Weinbaugebiet und über viele Jahrhunderte wurde diese Tradition fortgeführt. Beispielsweise die mittelalterlichen Mönche betrieben den Weinbau sehr aktiv und exportierten ihren Rotwein auch in ferne Länder. Als dann allerdings die Türken große Teile des Balkans besetzt hielten, verlor der Weinbau in Bulgarien zunehmend an Bedeutung. Den Moslems ist im Koran offiziell der Genuss von Wein verboten, was damals auch gewissenhaft gelebt wurde.

Allerdings hielt sich der Weinbau trotzdem störrisch in der Region und überdauerte vor allem mit dem Anbau von Tafeltrauben die türkische Herrschaftsperiode. Der Reblausbefall anfang des 20. Jahrhunderts vernichtete allerdings, wie in ganz Europa, auch in Bulgarien leider einen Großteil der Anbauflächen. Das führte zu einem Neuanfang, bei dem neben den klassischen Rebsorten auch neuartige französische angepflanzt wurden.

In der sozialistisch geführten Zeit des Ostblocks war die Weinindustrie in Bulgarien dann in staatlicher Hand und war hauptsächlich für den Export in andere Teile der Sowjetunion bestimmt. Seit der Wiedervereinigung sind wieder alle Weingüter privatisiert und der Weinbau floriert mithilfe von Modernisierungsprogrammen, obwohl viele der Rebstöcke überdurchschnittlich alt und schlecht gepflegt sind.

Auf knapp 100.000 Hektar Land wird heute Wein angebaut und Bulgarien zählt inzwischen zu den 20 größten Weinerzeugungsländern weltweit .

Rebsorten in Bulgarien:

Pamid (22%), Merlot (11%), Cabernet Sauvignon (10%), Rkaziteli (9%), Dimiat (8%)

Anbauregionen für Wein aus Bulgarien

Die Einzigartigkeit bulgarischer Weine entsteht durch die große Vielfalt an unterschiedlichen Bodenverhältnissen und dem stark abweichenden Klima in jeder Region. Geschmacksstoffe und Aromen bekommen die bulgarischen Trauben durch ein meist mildes Klima und viel Sonnenlicht. Die Qualität dieser Weine wird inzwischen von allen Kennern gelobt und ist unter anderem auch gesetzlich durch das Weingesetz (1979) gewährleistet. Grundsätzlich kann man sagen, dass man mit bulgarischem Wein meistens ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis bekommt. Aber probieren Sie selbst! Ich garantiere Ihnen, Sie werden überrascht sein!

Meine Weinempfehlung für einen guten Tropfen aus Bulgarien:

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