Kessler-Sekt, Deutschlands älteste Sektkellerei

Deutschlands älteste Sektkellerei

Kessler Sekt – Aus der Versenkung

Kessler Sekt aus EsslingenWenn man an moussierenden Wein denkt, denkt man an die Region Champagne in Frankreich. Das ist fast eine Selbstverständlichkeit. Doch wer braucht französischen Champagner, wenn man hochwertigen Sekt hat? Schauen wir mal zur Geburtsstätte des deutschen Sektes im Herzen der Esslinger Altstadt. Jeden Samstag betreten die Besucher dort den prächtigen Speyrer Pfleghof, füllen seine mittelalterlichen, von Eichenholzbalken gehaltenen Innenräume und geniessen originalen Kessler-Sekt.

Einst bevorzugter Tipp der württembergischen Königin Olga, des Kanzlers Konrad Adenauer und sogar der Hollywood-Legende Errol Flynn, geriet Kessler-Sekt schließlich für einige Jahrzehnte in Vergessenheit. Aber die Kellerei genießt dank der konsequenten Rückbesinnung auf ihre stolzen Traditionen eine Wiederbelebung. Heute ist Kessler wieder offizieller Lieferant der deutschen Regierung und produziert seinen Sekt immer noch in der gleichen Tradition wie das Champagner-Haus Veuve Cliquot und vermutlich mit der gleichen Leidenschaft.

Die Geschichte schäumender Weine

Perlweine, wie den deutschen Sekt, gibt es genau so lange wie normalen Wein. Die zweite Gärung, die die Karbonisierung erzeugt, kann auf natürliche Weise erfolgen, wenn die Temperaturen und die Lagerung es zulassen. Es gibt sogar antike römische und griechische Berichte über schäumende Weine, aber erst um 1700 begann die eigentliche Produktion. Jeder weiß, wie streng lokal die Franzosen über ihren geliebten Champagner denken. Umso weniger wird ihnen gefallen, wie dem Engländer William Shakespeare indirekt die Namensgebung des deutschen Sektes zugeschrieben wurde.

Shakespeares Charakter Falstaff in seinem Stück „Henry IV“ bestellt einen in England Ende 1500er Jahre einen beliebten portugiesischen Sherry-Wein mit den Worten: “Give me a cup of sack” Dieser Sack, bei dem das A als Ä gesprochen, inspirierte den deutschen Schauspieler Ludwig Devrient 1825, den Satz in einer Berliner Weinbar zu verwenden. Das behauptet zumindest der Kommunikationsdirektor von Kessler Sekt – aber der angerufene Kellner hatte nicht richtig hingehört und vermutete, dass Devrient sich sich wie gewohnt, einen Champagner wünschte. So wurde Sekt zunächst nur in Berlin zu einem Slangbegriff für Schaumwein. Offensichtlich war die Zeit reif für deutschen Sekt. Dieser Name wurde erst 1925 für ganz Deutschland verbindlich festgelegt.

Aufstieg und Niedergang

Ein Jahr später, 1826, gründete der Industrieunternehmer Georg Christian Kessler (1787-1842) in Esslingen am Neckar bei Stuttgart eine Niederlassung. Nach siebzehnjähriger Tätigkeit für den französischen Hersteller des Champagners Veuve Clicquot war Kessler bestrebt, Schaumwein nach Deutschland zu bringen. Sein Ziel war es nicht, französischen Schampus zu kopieren, sondern ein eigenständiges Getränk mit deutschen Trauben auf deutschem Boden anzubieten. Kurz nach seinem Debüt wurde der Kessler Sekt von deutschen Königen und Königinnen bewundert und erhielt internationale Auszeichnungen.

Sein Sekt genoss früh große Erfolge und wurde in ganz Europa und bis zur US-Ostküste verschifft. Als Kessler 1842 starb, wurde das Unternehmen an seinen persönlichen Freund Carl Weiss übergeben, und die Familie Weiss führte das Unternehmen bis 2004. Zu diesem Zeitpunkt litt die Firma, weil, wie Kaiser erklärte, „der Geist von Kessler verloren war“. Dies führte 2005 zu einer Insolvenz und einem Neustart. Während das Unternehmen den Besitzer wechselte, stoppte die Produktion nie, und das Unternehmen erlebt heute eine Renaissance.

Tradition und Moderne

Die Deutschen genießen im weltweiten Vergleich den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Sekt, so ist es nicht verwunderlich, dass kleinere Produzenten wie Kessler sehr stolz darauf sind, ihre Traditionen und Qualität zu erhalten. Der neue Eigentümer, Christopher Baur, hat dem Unternehmen geholfen, wieder Fuß zu fassen, indem er der Tradition einen Hauch von Modernität verliehen hat. Die Qualität ist die gleiche, aber der Stil ist anders, und in der Kellerei verwenden sie neue Techniken, um die Aromen deutlicher hervorzuheben.

Ein Teil der Maschinen bei Kessler wurde erneuert, aber die traditionelle Methoden setzen sich bei der Fermentation immer noch durch. Dies ist einer der wenigen Orte in Deutschland, an dem Sekt noch auf altmodische Weise mit Flaschengärung hergestellt wird. Die Besucher können Einblicke in die Arbeit gewinnen, wenn die Weine, wie in der Vergangenheit, in Kellern voller Schimmel von Hand gedreht werden.

Die Wiederauferstehung der Marke

Die meisten größeren Sektproduzenten haben auf die weniger arbeitsintensive Methode der zweiten Gärung umgestellt, indem sie den Wein in große Tanks geben. Tatsächlich machen kleinere, hochwertige Produzenten wie Kessler weniger als zehn Prozent des deutschen Marktes aus. Das hat natürlich seinen Preis: Während eine durchschnittliche Flasche Sekt ab etwa 3,50 Euro zu bekommen ist, beginnt das Sortiment von Kessler bei nahezu dem Doppelten. Als regionaler Favorit wird 60 Prozent des Kessler Sektes lokal verkauft. Aber auch außerhalb Schwabens wächst die Nachfrage nach dem traditionellen Schaumwein.

Ein Rundgang durch die Kessler-Zentrale von Speyrer Pfleghof umfasst den von Eichenholzbalken dominierten Innenraum aus dem 16. Jahrhundert im Obergeschoss sowie den Produktionsbereich mit Förderbändern, Gabelstaplern und unzählig vielen Stapeln von Gärwein. Doch erst wenn man die mit Kerzen beleuchteten Stufen in die Keller hinunter geht, wird die Geschichte des Ortes lebendig. Dort werden die Flaschen in der zweiten Gärstufe von Hand gedreht, so wie sie es schon 1826 gemacht haben. Nach der Besichtigung können die durstigen Besucher, die verschiedene Sorten Sekt probieren. Neben den Einstiegs Sekten gibt es die Kessler Sekt Hochgewächs Reihe. Dazu gesellen sich dann noch der Riesling Jägergrün. Wer es ganz hochwertig möchte, der ist bei den Jahrgangs Sekten der Vintage Reihe richtig. Aber ob Kessler Sekt, Kessler Hochgewächs Chardonnay Brut, Kessler Hochgewächs Rosé, Kessler Jägergrün oder Kessler Vintage. Alle Sekte sind erstklassig, vor allem im Bezig auf Preis-/Leistung. Auch Online kann man Kessler Sekt bestellen, am Besten fast vor Ort beim Weinversand genuss7.de in Schönaich.

Ein paar Worte zur Persönlichkeit des Gründers

Christian von Kessler zog Anfang des 19. Jahrhunderts nach Reims und erlernte dort schnell die Kunst der Champagnerherstellung, indem er Angestellter in einer eher unbekannten lokalen Manufaktur wurde – was sich als nichts anderes als Veuve Cliquot herausstellte. Werde groß oder gehe nach Hause, wie man so schön sagt. Nachdem er dort einige Jahre lang, anfänglich als Buchhalter, gearbeitet hatte, wurde er schließlich in die Geschäftsleitung berufen und machte Veuve Cliquot zu der angesehenen und international anerkannten Marke, die es heute ist.

Nachdem er als jahrelanger Teilhaber die Möglichkeit bekam Veuve Cliquot komplett zu übernehmen passierte etwas Besonderes. Kessler verzichtete auf die Übernahme des Unternehmens und entschied sich für eine alle überraschende Wendung. Er beschloss Reims zu verlassen und in seine Heimatstadt Esslingen am Neckar zurückzukehren, um dort seinen eigenen Sekt zu kreieren. Das ist bemerkenswertes und vorbildliches Unternehmertum, dass noch in der Gegenwart als Vorbild taugt.

Gute Aussichten

Am beliebtesten sind die traditionellen Kessler-Sorten auf Basis von Clevner und Elbling, aber mit Hilfe ihres jungen Winzers Markus Krieg hat das Unternehmen auch limitierte Auflagen mit Riesling und Pinot Blanc auf den Markt gebracht. Dennoch sind die Mitarbeiter von Kessler stolz darauf, dass Innovation die Tradition nicht verdrängt. Schließlich ist es nicht nur ein deutscher Sekt, es ist Kessler Sekt. In dieser Region werden also nicht nur berühmte Autos und technische Produkte hergestellt, sondern es werden auch Spitzenweine erzeugt, die in der Lage sind, das Leben besser, schöner und genussreicher zu machen.